Sicherheit geht vor - Nanopartikel im Produktionsprozess

Zwischen 15 und 150 Nanometer groß sind die Titandioxid-Teilchen, die in Sonnencremes für den unsichtbaren UV-Schutz sorgen. Für jene, die sich damit eincremen, um ihre Haut vor den schädlichen UV-Strahlen zu schützen, sind sie ungefährlich. Doch wie sind diejenigen geschützt, die den Rohstoff annehmen, bewegen, einwiegen und schließlich in die Kessel geben? Können die Partikel dabei womöglich in die Umwelt gelangen? Für das Nanoportal Baden-Württemberg hat sich Laura Gross die Herstellung und Sicherheitsvorkehrungen im Bübchen-Werk angesehen, wo unter anderem Sonnenschutzprodukte entwickelt und hergestellt werden.
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Seit 1961 stellt die Firma Bübchen Produkte für eine spezielle Zielgruppe her: Babys und (Klein-)Kinder. Diese haben eine besonders empfindliche Haut. Cremes, Lotionen, Öle usw. müssen daher besonderen Anforderungen genügen, um sie zu pflegen und zu schützen. Bei Bübchen, das inzwischen zu Nestlé gehört, setzt man deshalb vor allem auf Rohstoffe, die schon lange auf dem Markt sind und deren Verträglichkeit sich in langjähriger Praxis bestätigt hat. Einer von ihnen ist nanoskaliges Titandioxid, das als sicher und besonders geeignet gilt, die hohen Lichtschutzfaktoren zu ermöglichen, die Kinderhaut braucht. Foto: Annamartha / pixelio.de
Nano-Titandioxid ist dabei nur eine von vielen Zutaten, die in Kosmetik-Rezepturen eingesetzt werden. Geht es um die Sicherheit, spielt aber die Partikel-Größe gar nicht die Hauptrolle: „Für den verantwortungsvollen Umgang mit Rohstoffen wie Nano-Titandioxid braucht man Experten und Sorgfalt. Zuallererst für die Arbeiter im Werk selbst: Arbeitsschutzmaßnahmen und gute Ausbildung sind das A und O. Ob Nano oder nicht, es geht immer darum, Produktionsprozesse so zu organisieren, dass die Arbeiter sicher sind, die Umwelt nicht belastet wird und Verbraucher ein sicheres Produkt erhalten,“ erläutert Dr. Thomas Stiehm, der das Bübchen-Werk in Soest leitet, seine Grundsätze.
Die konkreten Maßnahmen dafür beginnen schon im Rohstofflager des Unternehmens: Jeder einzelne Rohstoff wird zunächst darauf geprüft, ob er physikalisch, chemisch und mikrobiologisch einwandfrei ist. Ohne grünes Licht aus dem Qualitätsmanagement dürfen die Rohstoffe diesen Raum nicht verlassen. Seine Böden fallen zur Mitte hin sanft ab. Falls hier etwas umfällt oder ausläuft, kann es dadurch gründlich über einen Bodenabfluss ausgespült werden. Von dort gelangt es zunächst in die von der Umwelt abgeschlossene Abwasseraufbereitung des Unternehmens. Erst wenn das Abwasser dort gereinigt und aufbereitet wurde, wird es ins Abwassersystem von Soest eingeleitet.
Wenn im Dezember und Januar die Sonnencreme-Produktion läuft, steht im Rohstofflager auch Nano-Titandioxid (im Bild: Eine sehr kleine Menge auf der Waage im Labor.). Nano-Titandioxid wird in Form eines weißen Pulvers geliefert und muss im weiteren Herstellungsprozess mit besonderer Vorsicht behandelt werden. Nicht, weil es giftig ist, sondern:
Weil es staubt. Alle feinpulvrigen Substanzen können mehr oder weniger leicht eingeatmet werden, über die Atemwege in die Lunge gelangen und dort Entzündungsreaktionen verursachen. Die Größe ihrer Einzelpartikel spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Maßnahmen, die die Arbeiter vor Schäden schützen, sind für den Umgang mit allen Stäuben wichtig. Von Nano-Titandioxid ist bekannt, dass es selbst nicht giftig ist, aber Entzündungen der Atemwege hervorrufen kann. Es besteht zudem der Verdacht, dass es krebserregend ist, wenn der Staub in die Atemwege kommt. Nano-Titandioxid wird daher im Bübchen-Werk immer unter einem Luftabzug eingewogen und nur mit Atemschutzmaske bewegt. Foto: Günther Gumhold / pixelio.de
In die Fertigungskessel (im Bild eine kleine Labor-Variante) werden die staubförmigen Rohstoffe nicht eingeschüttet, sondern gesaugt. Auf diese Weise gelangen die Stäube nicht in die Luft und in Kontakt mit Menschen.
Flüssige Rohstoffe und Wasser werden über geschlossene Rohrleitungssysteme zu jenen Kesseln transportiert, in denen die Zutaten gemischt werden – von außen kann dabei nichts eindringen, unterwegs nichts austreten. Für Produkte, die keine Konservierungsstoffe enthalten, ist das besonders wichtig.
Auch sonst ist die Produktion größtenteils geschlossen: Auf diese Weise können Verunreinigungen vermieden werden. Die Anlagen werden regelmäßig gereinigt. Die dabei entstehenden Abwässer kommen zunächst in die werkseigene Aufbereitung, damit keine Chemikalien in die Umwelt gelangen.
Bevor die Sonnencreme abgefüllt wird, sind die Mitarbeiter im Labor noch einmal gefragt: Stimmt das hergestellte Produkt mit den zum Vergleich herangezogenen Referenzprodukten überein? Sind Farben, Konsistenz und Geruch so, wie sie sein sollen? Geht es um Sonnenschutzmittel, sind die Proben überwiegend weiß, bei anderen Produkten kann es – wie in unserem Bild – bunter zugehen.
Erst, wenn die Qualitätskontrolleure ihr Okay geben, wird abgefüllt: bis zu 160.000 Flaschen Sonnenmilch pro Tag. Darin ist das Nano-Titandioxid gleichmäßig verteilt und fest im Produkt eingebunden. Mit dem Menschen kommt es nur noch in Kontakt, wenn es mit dem Sonnenschutzprodukt auf die Haut aufgetragen wird. Unsichtbar auf der Hautoberfläche verteilt, reflektieren die winzigen Partikel UV-Strahlen und schützen so vor Sonnenbrand und langfristigen Hautschäden.