Nanosilber hält Schimmel fern

Wo Wände dauerhaft feucht bleiben, entsteht Schimmel. In allen Wohnräumen können hinter Paneelen und Schränken, in Ecken und Nischen erst kleine, später große grünlich bis schwarze Flächen entstehen. In diesem Fall gilt: Schimmel entfernen, Ursachen abschalten und die Wände dauerhaft schützen. Die Firma Bioni CS GmbH aus Oberhausen hat eine Farbe entwickelt, die Schimmel wirksam und schonend fern hält. Der Trick: Nanopartikel aus Silber
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Schimmel in der Zimmerecke – ein Bild, das niemand gerne sieht. Er entsteht immer dort, wo es an Luftaustausch fehlt und die Luftfeuchtigkeit an der Oberfläche von Wänden und Decke dauerhaft zu hoch ist. Die Ursachen sind verschieden: Mal steht der Schrank zu dicht an einer kühlen Ecke, so dass die Luft dahinter nicht zirkulieren kann. Manchmal ist die Wand eine Außenmauer ohne Isolierung, die im Winter kalt und feucht bleibt. Nicht selten blockiert die Dämmung den Luftaustausch der Wände. In einigen Fällen wird nicht regelmäßig und lang genug gelüftet. Und in vielen Zimmern bleibt die Heizung im Winter zu oft aus, um Energiekosten zu sparen. Auch dann kühlen die Wände aus und Feuchtigkeit kann nicht abtrocknen. Foto: NicoLeHe / pixelio.de
Dabei ist Schimmel mehr als ein optisches Problem: Viele Schimmelarten verursachen Atemwegsreizungen und allergische Reaktionen. Auch die Schäden an Tapeten, Möbeln und Wänden können erheblich sein. Am besten wäre es daher, den Schimmel von Anfang an zu verhindern. Wer aber so einen Fleck entdeckt, will ihn daher sofort entfernen und möglichst niemals wieder sehen. Foto: KFM / pixelio.de
Handelsübliche Schimmelentferner setzen auf Wasserstoffperoxid oder Chlor. Beide Wirkstoffe töten den sichtbaren Pilz-Flaum tatsächlich ab und bleichen ihn zugleich. Das sieht sauber aus, ist es aber nicht: Tiefer gelegene Schichten des Pilzgeflechtes, etwa in der Tapete, der Wand oder der Fensterfuge, erreichen diese Produkte nicht. Zudem sind sie auch für andere Organismen giftig, gehen in die Raumluft und reizen Atemwege und Schleimhäute unmittelbar. Foto: Alexandra H. / pixelio.de
Um größere Schimmelflecken an Wänden zu übermalen und dabei den Schimmel für die Zukunft fern zu halten, werden spezielle Wandfarben angeboten. Sie setzen auf verschiedene Prinzipien: Produkte mit chemischen Wirkstoffen töten das Pilzgeflecht wirksam ab, verlieren aber nach und nach ihre Wirkung. Aus der Farbe gelangen diese Gifte zudem auch in die Raumluft, von Außenwänden werden sie bei Regen in den Boden ausgewaschen. Foto: Petra Bork /pixelio.de
Durch mineralische Anti-Schimmelfarben wird der gestrichene Untergrund stark basisch und damit als Lebensraum für die Pilze unattraktiv. Das ist zwar umwelt- und raumluftfreundlicher, aber leider ebenfalls nicht von Dauer. Die Farben lassen sich leicht abreiben und können nicht verhindern, dass sich eine neue Schicht aus Bakterien und organischen Materialien bildet. Auf diesem Biofilm können sich Schimmelpilze problemlos neu ansiedeln, wenn sie es dort weiterhin feucht und stickig haben. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
Die Firma Bioni, Experte für Spezialbeschichtungen, suchte nach einer Möglichkeit, diese Probleme für die Praxis zu lösen. Die Entwickler des traditionsreichen Unternehmens konzentrierten sich dabei auf eine Kombination aus feuchteregulierenden Eigenschaften und Silber. Dass dieses Edelmetall sehr gute antimikrobielle Wirkung zeigt, ist seit Langem bekannt. Die Herausforderung bestand darin, diese Eigenschaften für Anstriche nutzbar zu machen, die im Innenraum wie in Außenbereich leicht aufzutragen und dauerhaft wirksam sind. Das Ziel: Schimmel, Algen, Moose und Mikroorganismen von der Oberfläche fern halten, ohne dabei Gesundheit und Umwelt zu belasten. In dreijähriger Forschungsarbeit zusammen mit dem Fraunhofer Institut für Chemische Technologie wurde eine Lösung entwickelt. Foto: Bioni GmbH
Heute setzt man auf Silberpartikel mit einem Durchmesser von nur 10 bis 15 nm. Fein verteilt in einer wässrigen Suspension werden die winzigen Silberpartikel der Farbmischung zugesetzt und mit dem Anstrich auf die verschiedenen Untergründe aufgetragen. Mit Hilfe verschiedener Bindungsmechanismen bleiben die Nanopartikel stets fest in der gestrichenen Oberfläche gebunden. Was als Rohstoff noch rotbräunlich aussieht, wird in der Farbe für das menschliche Auge unsichtbar. Foto: MLR/Martin Meissner
Trocknet der Anstrich, bildet sich eine homogene Schicht, in der das Silber dauerhaft fest eingebunden ist. Auch durch Reiben, Bohren oder Schleifen lassen sich die Silberpartikel nicht mehr einzeln lösen. Aus diesem Grund sprechen die Fachleute daher nicht von "Farbe" sondern genauer von "Beschichtung". An der Oberfläche dieser Beschichtung kommen Schimmel, Algen, Moose und Mikroorganismen direkt in Kontakt mit Silber, ohne es aber herauszulösen. Foto: Bioni GmbH
Dort auf der Beschichtung spielt sich die entscheidende Reaktion ab: Silber-Ionen, also einzelne, elektrisch geladene Atome des Edelmetalls, blockieren den Stoffwechsel der Zellen und hemmen so ihr Wachstum. Die Zellen sterben ab. Diese Wirkung hat Silber in jeder Größe. Dass die Partikel in den Bioni-Beschichtungen nur wenige Nanometer groß sind, macht sie aber effektiver: Viele kleine Partikel haben in der Summe wesentlich mehr Oberfläche als wenige große Einheiten. Mit weniger als 50 mg Nano-Silber in einem Liter Anstrich lassen sich große Flächen frei von Mikroorganismen und Schimmel halten. Foto: MLR / Martin Meissner
Bei Einzellern, wie Bakterien, wirkt Nano-Silber sehr schnell. Höher entwickelte "Plagegeister" sind wesentlich stabiler. "Wir produzieren Beschichtungen, die Bakterien, Schimmel, Algen und Moosen keine Lebensgrundlage bieten. Die Silber-Technologie ist dabei eines von vielen Rädchen, mit denen wir die Beständigkeit der Beschichtungen gegen mikrobiellen Befall einstellen", erläutert der Geschäftsführer Sven Knoll das Prinzip. Auf einer silberhaltigen Oberfläche können sich Bakterien nicht mehr ansiedeln. Hochwertige Bindemittel und winzige Kügelchen aus Glas sorgen dafür, dass die gestrichenen Oberflächen wasserabweisend sind und im Vergleich zu herkömmlichen Farben deutlich schneller abtrocknen. Je schneller der Anstrich trocknet, desto kürzer ist die Zeitspanne, in der die Luftfeuchtigkeit an der Oberfläche hoch genug für die Schimmelbildung ist. Beides zusammen entzieht somit dem Schimmel die Lebensgrundlage: Auf einer trockenen Fläche ohne Biofilm finden die Schimmelsporen keinen Nährboden, was ihr Wachstum dauerhaft unterbindet. Foto: MLR/Martin Meissner
Je nachdem, in welcher Umgebung, auf welchem Untergrund und gegen welche Organismen die Oberflächen beschichtet werden sollen, unterscheiden sich die Rezepturen der Anstriche. Nano-Silber ist dabei eine von vielen Zutaten. In jedem Fall müssen die Beschichtungen gut haften und decken, dauerhaft sowie farbecht sein und natürlich unschädlich für Mensch und Umwelt. Während Haftfähigkeit und Deckkraft im eigenen Labor überprüft werden, kontrollieren externe Zertifizierer, dass die Anstriche für Innenräume die Raumluft nicht mit schnellflüchtigen organischen Substanzen und Löse- oder Konservierungsmitteln belasten. So bescheinigt beispielsweise der TÜV Rheinland/LGA, dass die Innenraumfarben "raumlufthygienisch unbedenklich" sind. Foto: MLR / Martin Meissner
Heimwerker können die schimmelabweisenden Anstriche für den Innenraum direkt bei Bioni im Onlineshop erwerben. Sie können in sämtlichen Farbtönen gemischt werden. Im Wesentlichen vertreibt das Oberhausener Familienunternehmen seine Produkte jedoch an spezialisierte Malerfirmen und Fachgeschäfte. Darüber hinaus hat das Unternehmen eine Systemlösung entwickelt, die in Industriezweigen wie dem Gesundheitswesen und der Lebensmittelindustrie zum Einsatz kommen kann. Foto: MLR/Martin Meissner
Dass die Beschichtungen wirken, hat Bioni in der Praxis getestet. Wie gut sie wirken, zeigten Laboruntersuchungen, mit denen auf standardisierte Weise untersucht wird, ob und wie stark ein Material gegen Bakterien wirkt: Als bisher einziger Anstrich konnten die Beschichtungen eine so genannte 5-Log Reduzierung von Bakterienkolonien nachweisen. Das bedeutet, dass 99,999 % der Kolonien auf der Wand- und Deckenoberfläche schon nach kurzer Zeit nicht mehr vorhanden sind. Von 1.000.000 Bakterien sind dann nur noch 10 übrig, ein Wert, der sonst nur durch gute Desinfektion erreicht wird. Ein großer Vorteil ist, dass die Anstriche diese Wirkung jahrelang haben und sie auch nicht verlieren, wenn – wie in vielen Industriezweigen üblich - zusätzlich mit Desinfektionsmitteln gearbeitet wird. Für Unternehmen und Bereiche, die entweder sehr hohe Anforderungen an Hygiene oder die immer wieder Schimmelprobleme haben, sowie für den gewerblichen Bauanstrich sind die Systemlösungen ein spürbarer Kostenvorteil. Foto: Dieter Schütz / pixelio.de
Auch in Krankenhäusern sind Bakterien ein ernstes Problem. Jedes Jahr stecken sich tausende Patienten mit sogenannten Krankenhauskeimen an. Dafür gibt es zahlreiche Ursachen. "Die Wandflächen werden als möglicher Faktor für Keimübertragungen bisher weitestgehend vernachlässigt", sagt Sven Knoll. So werden Oberflächen nur in hochsensiblen Bereichen regelmäßig gereinigt und desinfiziert. Der Geschäftsführer von Bioni ist überzeugt: "Mit unseren silber-basierten Anstrichen können wir einen kostengünstigen sowie umwelt- und gesundheitsfreundlichen Beitrag zum ganzheitlichen Hygiene-Konzept in Krankenhäusern und Kliniken leisten. Denn unsere Beschichtungen sind nicht nur ausgesprochen widerstandsfähig gegen die Ansiedlung von Bakterien sondern überstehen dank ihrer chemischen und mechanischen Belastbarkeit selbst intensivste Reinigungen und Desinfektionen und können dank ihrer Geruchsfreiheit problemlos auch bei laufendem Betrieb erneuert werden." Foto: MLR/Martin Meissner



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