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Bio-Lebensmittel und Nanomaterialien

Die von Menschen absichtlich technisch hergestellten Nanopartikel werden in der Bio-Branche sehr kritisch gesehen, ebenso wie mögliche langfristige Umweltauswirkungen von Lebensmitteln, Verpackungen und Maschinen, die mit Hilfe von Nano-Technologien hergestellt wurden. Die nanotechnologischen Anwendungen passen nicht zu den Anforderungen an eine umweltverträgliche, naturnahe Erzeugung und Verarbeitung wie sie für Bio-Lebensmittel gelten.
 

Bio-Vorschriften schließen Nanomaterialien aus

Die EU-Öko-Verordnung (Verordnung (EU) 2018/848) schreibt vor, dass bei der Herstellung von verarbeiteten ökologischen Lebensmitteln auf technisch hergestellte Nanomaterialien grundsätzlich zu verzichten ist. Darunter werden Nanomaterialien verstanden, die gezielt hergestellt werden und bis zu 100 Nanometer groß sind. Ebenfalls dazu gehören Strukturen oder Zusammenschlüsse von Partikeln, die größer als 100 Nanometer sind, sofern sie nanoskalige Eigenschaften haben. Nanomaterialien, die sich unbeabsichtigt bilden oder natürlicherweise enthalten sind, fallen dagegen nicht darunter. Die Verordnung gilt ab Januar 2022.
 

Lebensmittelzusatzstoffe in Bio-Produkten

Für Bio-Produkte sind deutlich weniger Lebensmittelzusatzstoffe erlaubt als für Lebensmittel, die nicht nach den Vorschriften des ökologischen Landbaus hergestellt werden.
Von den ca. 330 in der Europäischen Union zugelassenen Zusatzstoffen sind laut Durchführungsvorschriften für Bio-Produkte nur 54 zugelassen.

Einige dieser Zusatzstoffe können herstellungsbedingt Anteile von Nanomaterialien enthalten. Dazu gehören beispielsweise Pflanzenkohle (E 153), Calciumcarbonat (E 170), Siliciumdioxid (E 551) und Talkum (E 553b), die in Bio-Lebensmitteln für bestimmte Anwendungen verwendet werden dürfen. Sie wurden aber bisher nicht als Nano-Zusatzstoffe eingestuft. Titandioxid (E 171) ist dagegen nicht für Bio-Lebensmittel zugelassen.

Regeln bei Bio-Verbänden

Die ökologischen Anbauverbände müssen sich ebenfalls an die Regelungen der EU-Öko-Verordnung halten. Mit ihren Anforderungen gehen sie jedoch in vielen Bereichen darüber hinaus. Was die Nanomaterialien betrifft, gelten hier schon seit Jahren eindeutige Regelungen für Lebensmittel und Verpackungen. Dagegen ist der Bereich der Verpackungen bei der EU-Öko-Verordnung nicht geregelt. Zudem ziehen beispielsweise die Verbände Bioland e. V. und Naturland e. V. die Grenze zum Nanomaterial mit 300 Nanometern deutlich strenger als die gesetzlichen Regelungen. Dadurch fallen mehr Materialien unter die Definition und kommen demnach für die Produkte nicht infrage.

Der Anbauverband Demeter e. V. verbietet seinen Mitgliedern grundsätzlich den Einsatz von Nanotechnologien in der Landwirtschaft und in der Lebensmittelproduktion. Auch in Verpackungen und Verpackungsbeschichtungen dürfen Nanomaterialien nicht eingesetzt werden.

Jedoch weist der Verband in seinen Richtlinien daraufhin, dass aufgrund der derzeitigen unzureichenden Nachweis- und Analysemethoden sowie rechtlichen Regelungen nicht ausgeschlossen werden kann, dass Nanomaterialien unbeabsichtigt in Demeter-Produkte gelangen könnten.

Wer nach den Richtlinien von Bioland e. V. arbeitet, wird ebenfalls aufgefordert, in Lebensmitteln und Verpackungen auf menschengemachte Nanomaterialien zu verzichten. Außerdem dürfen Lebensmittel nicht mit Nanobeschichtungen in Kontakt kommen.

Auch Naturland e. V. untersagt die Verwendung von technisch hergestellten Nanomaterialien in Lebensmitteln. In Verpackungen sind sie zu vermeiden. Sie dürfen nur dann in Verpackungen verwendet werden, wenn sie fest im Material eingebunden sind. In Beschichtungen, die direkt mit dem Produkt in Berührung kommen, ist der Einsatz verboten.

Die Anbauverbände aus der Schweiz und Österreich, Bio Suisse und Bio Austria, sprechen sich gegen jeglichen Einsatz von technisch hergestellten Nanomaterialien aus.  

Mehr erfahren

Welche Lebensmittelzusatzstoffe Nanomaterialien enthalten können, haben wir in diesem Beitrag zusammengestellt.

Was im Bereich der Verpackungen gilt, können Sie in diesem Beitrag nachlesen.

Hier geht es zu den vollständigen Texten der EU-Öko-Verordnung und zu den Delegierten bzw. Durchführungsverordnungen sowie zu den Richtlinien der Verbände Demeter e. V., Bioland e. V., Naturland e. V., Bio Austria und zum Grundlagenpapier zu Nanotechnologie von Bio Suisse.

(Stand 2021)

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