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Haushalt

Im Haushalt sollen Nanotechnologien vor allem zwei Zielen dienen: Stoffe und Geräte gegen Wasser und Schmutz unempfindlich zu machen und Bakterien und Schimmel abzuwehren. Bereits jetzt gibt es eine Vielzahl an Produkten. Einige davon sind wegen ihrer Umweltauswirkungen umstritten.

Nano-Silber in vielen Produkten

Silber und Nano-Silber sollen gegen Mikroorganismen wie Bakterien und Schimmel wirken. Seit einiger Zeit werden Kühlschränke und Waschmaschinen angeboten, bei denen laut Werbung die Innenräume mit Silberpartikeln beschichtet sind. Sie sollen die dort lebenden Keime töten. Um diesen Effekt zu erreichen, würde es auch ausreichen, Silber in Mikro- statt in Nanogröße einzuarbeiten. Nano-Silber gibt aber mehr wirksame Ionen ab als größere Silberpartikel und wirkt so bei kleineren Mengen stärker.

Waschmaschinentrommel; Foto: Andreas F. / Quelle: PHOTOCASE


Der Eintrag von Nano-Silber in Böden und Gewässer ist prinzipiell über Abwässer bzw. den Klärschlamm möglich. Die Partikel werden zu 90 bis 95 Prozent aus dem Abwasser entfernt und im Klärschlamm zurückgehalten. Dabei finden Umwandlungs- und Anlagerungsprozesse statt. Falls der Klärschlamm als Dünger verwendet wird, könnten sich die Silber-Partikel im Boden anreichern.

Da die Gefahr besteht, dass Keime gegen Silber resistent werden könnten, raten Wissenschaftler, unter anderem vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und vom Umweltbundesamt (UBA), von einer großflächigen Verwendung der Substanz ab. Auch der BUND sieht die breite Anwendung kritisch. Im Interview mit dem Nanoportal erinnert er eindringlich an das Vorsorgeprinzip.

In Wandfarben und Textilien wird ebenfalls Nano-Silber zugesetzt. Auch hier geht es darum, das Risiko für einen Befall mit Keimen zu senken. Nano-Silber wird außerdem in Sprays für die Behandlung von Oberflächen, Textilien oder Schuhen verwendet und soll hier eine antibakterielle Wirkung entfalten.

Antihaft-Beschichtungen und Reinigungsmittel

Für Badezimmer werden immer häufiger Sanitärkeramiken, Armaturen und Fliesen mit nanostrukturierten Oberflächen angeboten; dadurch soll sich an den Oberflächen kein Schmutz oder Kalk festsetzen. Winzige Erhebungen sorgen nach dem Vorbild des Lotus-Effekts als Beispiel für ein Bio-to-Nano-Verfahren dafür, dass das Wasser abperlt und den Schmutz mitnimmt. In der Küche sollen ähnliche Beschichtungen auf Herden, Bratpfannen und Backblechen verhindern, dass Speisen anhaften.

Die Nanomaterialien sind üblicherweise in den Beschichtungen fest gebunden, so dass sie sich beim Gebrauch oder Kontakt nicht herauslösen können. Im Kochgeschirr können außerdem antibakterielle Beschichtungen mit Silber zum Einsatz kommen. Auch hier ist mit einer Freisetzung nicht zu rechnen.  

Das Auto, die Wand der Duschkabine oder der Terrassenboden können mit Hilfe von Nanopartikeln wasserabweisend ausgerüstet werden. Unsere Bildreportage „Nanopartikel lassen Wasser abperlen“ verrät mehr, ebenso der Beitrag zum selbstreinigenden Markisenstoff in der Rubrik „Sie fragen - wir antworten“.


Reinigungsmittel, z. B. für Fußböden, Glas oder andere Flächen, können Nanomaterialien enthalten. Sie sollen bewirken, dass die Flächen leichter zu reinigen sind und nicht so schnell zerkratzen. Oder die Mittel haben Inhaltsstoffe, die nanometerdünne Schichten erzeugen können und dann wasser- und schmutzabweisend sind.

Bei der Anwendung gelangen nanomaterialhaltige Reinigungsmittel ins Abwasser. Sie werden zum großen Teil im Klärschlamm gebunden, ein kleiner Teil kann über den Ablauf in die Umwelt gelangen. Wie sie sich dort verhalten, ist noch unklar und Gegenstand weiterer Forschungen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag „Umwelt".

Badezimmerarmatur mit Tropfen blau; © Gitti Moser / PIXELIO

Nanopartikel in Imprägniersprays

Haushaltstextilien, wie etwa Tischdecken, werden ebenfalls mit Hilfe von Nanomaterialien gegen das Eindringen von Wasser, Schmutz oder Fetten imprägniert. Diesen Effekt können Verbraucher selbst nachträglich erreichen, wenn sie mit Imprägniersprays Nanopartikel auf Schuhe oder Kleidung aufsprühen.

Handelt es sich bei solchen Sprays um sogenannte Druckgassprays, die einen besonders feinen Sprühnebel (Aerosol) erzeugen, können diese ultrafeinen, nanopartikelhaltigen Tröpfchen tief in die Lunge eindringen. Dort können sie möglicherweise schädigende Effekte haben.

Ob das tatsächlich der Fall ist, untersuchte das internationale Forschungsprojekt „NANOaers“ unter der Leitung des Bundesinstitutes für Risikobewertung. Dafür bauten die Forscher die Anwendung von Imprägniersprays mit einer eigens entwickelten Sprühkammer und dem Einsatz von Lungenzell-Kulturen so realitätsgetreu wie möglich nach. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen mit Nanopartikeln aus Silber und Cerdioxid (Oxid des Metalls Cer, gehört zu den Seltenen Erden) zeigten, dass neben den Eigenschaften und der Größe der Partikel auch Lösungsmittel und Zusatzstoffe in den Sprays eine Rolle bei den Reaktionen in Lungenzellen spielen. Sie sind für Zellschädigungen durch das Aerosol mitverantwortlich.

Weiterhin hat die Art des Sprühens einen maßgeblichen Effekt. Weniger und kurz zu sprühen führt dazu, dass weniger Aerosol in die Zellen gelangt. Und schließlich kommt es darauf an, wie groß der Abstand zur Sprühdüse ist und wie gut der Raum bei der Anwendung belüftet wird. Daher ist es ratsam, Imprägniersprays an der frischen Luft, z. B. auf dem Balkon, der Terrasse oder am geöffneten Fenster und mit ausreichend Abstand anzuwenden.

Antworten auf Fragen von Verbrauchern zum Einsatz von Nano-Silber und anderen Nanopartikeln in verschiedenen Produkten finden Sie in der Rubrik „Sie fragen - wir antworten“.

Informationen zu Umwelteffekten haben wir in der Rubrik Umwelt zusammengestellt.

Wer mehr über Silber und Nano-Silber wissen möchte, kann in unserer Linkliste unter dem Punkt „2. Sicherheit – Fragen, Forschung, Erkenntnisse“ fündig werden.

(Stand: 2021)

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