Medizin

Wer eine Brille trägt, schätzt vermutlich entspiegelte Gläser. Wer unter offenen Zahnhälsen leidet, hofft auf Zahncremes, die Abhilfe schaffen. In beiden Fällen kommen schon heute Nanomateralien zum Einsatz. Die medizinische Versorgung – so die Erwartung – soll mit Hilfe von Nano-Anwendungen künftig noch besser werden.

Nano-Einsatz in Medikamenten

Manche Medikamente enthalten Nanopartikel; Foto: tante matilda/ Quelle: PHOTOCASE

In der Medizin und der medizinischen Forschung spielen Nanotechnologien eine große Rolle. In vielen Medikamenten werden schon heute Nanokapseln eingesetzt. Wie „Taxis“ können sie die eingeschlossenen Arzneistoffe genau an den Ort im Körper bringen, an dem sie ihre Wirkung entfalten sollen. Mit Hilfe dieser Technik sollen Medikamente besser dosiert und Nebenwirkungen verringert werden.

Solche „Nano-Transporter“ bieten zudem die Möglichkeit, biologische Barrieren wie die Blut-Hirnschranke im Körper zu überwinden. Mediziner hoffen, auf diese Art neurologische Erkrankungen oder Hirntumore zielgenauer behandeln zu können

Diagnose mit Hilfe von Nanotechnologien

Für die Diagnostik werden nanopartikuläre Kontrastmittel entwickelt, die sich an erkrankte Zellen heften und diese markieren. So sollen Erkrankungen im Körper frühzeitiger und genauer lokalisiert werden können. Entscheidende Vorteile soll das vor allem für die Früherkennung und Behandlung von Krebserkrankungen bringen. Außerdem arbeiten Wissenschaftler an Sensoren und Messtechniken, die auf Nanotechnologien basieren.

Ein Beispiel sind Nanodetektoren“. Das sind Katheder, die mit Nanopartikeln aus Gold beschichtet sind, an denen wiederum bestimmte Antikörper kleben. Diese werden in die Vene des Patienten eingeführt und helfen zum Beispiel Tumorzellen im Blut aufzuspüren.

Nanopartikel in der Therapie

Chirurgisches Besteck wird oft mit Nanosilber beschichtet; Foto: Jenzig 71/ Quelle: PHOTOCASE

In der Therapie kommen Nanomaterialien auf unterschiedliche Weise zum Einsatz. Mit Nanosilber beschichtete Wundverbände, Katheter oder chirurgisches Besteck verringern das Infektionsrisiko, weil Silber antibakteriell wirkt. Allerdings sehen Wissenschaftler inzwischen die Gefahr, dass Keime gegen diese Wirkung resistent werden könnten, weil Silber zunehmend auch in Alltragsprodukten - wie Kleidung oder Haushaltsgegenständen - eingearbeitet wird.

In der Tumor-Therapie gibt es erste Erfolge mit Nano-Partikeln aus Eisenoxid. Sie werden gezielt ins Tumorgewebe eingebracht und mit Hilfe eines elektromagnetischen Feldes erhitzt – die Tumorzellen werden dadurch schwer beschädigt oder sterben, während das umliegende Gewebe unbeschädigt bleibt. Das Verfahren ist für Hirntumore bereits zugelassen und wird derzeit in der klinischen Praxis erprobt. In unserer Bildreportage Nano-Eisen gegen Tumore erfahren Sie mehr.

Bei Implantaten wie Herzschrittmachern oder bei Prothesen sollen nanotechnologische Lösungen helfen, die Abwehrreaktion des Körpers zu vermindern und das Einwachsen zu erleichtern. Gelenkprothesen werden zum Beispiel mit einer nanokristallinen Diamantbeschichtung versehen, um die Gleitfähigkeit des Gelenks zu verbessern und den Verschleiß zu vermindern. Nanobeschichtete Implantate gelten als stabiler und langlebiger als herkömmliche. Auch Ersatzmaterial für Knochen und Zähne wird mit Hilfe nanotechnologischer Verfahren hergestellt.

Verbraucherfrage

Nanosilber in Diabetiker-Socken

Links

Informationsseite des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) e. V.
Nanomedizin - Informationsbroschüre des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung (pdf)
Nanomedizin - Chancen und Risiken; Studie von Grobe et al bei der Friedrich-Ebert-Stiftung (pdf, 1,1 MB)
VDI-Technologiezentrum Technologiefrüherkennung: Nanobiotechnologie II: Anwendungen in der Medizin und Pharmazie (pdf, 3,31 MB)
Überblicks-BroschüreTechnologieportal des VDI zu Nanomaterialien in Lebenswissenschaften und Medizin

Weitere Informationsmöglichkeiten finden Sie in der Linksammlung.

(Stand März 2014)



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