Textilien

Am Beispiel von Textilien lässt sich besonders deutlich erkennen, wie eng Chancen und Probleme von Nano-Anwendungen zusammenhängen. Einerseits ermöglicht Nanotechnologie, neue Produkte und Verfahren zu entwickeln, die Leben retten, unsere Gesundheit schützen sowie Alltag und Freizeit angenehmer gestalten. Andererseits gibt es immer wieder Bedenken wegen möglicher Risiken für die Gesundheit und die Umwelt.

Anwendung in Textilien bereits heute

Dass Stoffe aus den unterschiedlichsten Fasern zusammengesetzt sind, daran haben wir uns schon lange gewöhnt. Relativ neu ist allerdings die Anwendung von Nanotechnologien sowohl bei der Herstellung der Fasern als auch bei der Behandlung fertiger Stoffe:

Nanobeschichtete Baumwollfasern; Bild: Pressefoto BASF
  • So werden bei manchen Hemden, Blusen und Socken inzwischen nanoskalige Silberpartikel eingearbeitet. Sie dienen dazu, unangenehme Körpergerüche, z. B. durch Schweiß, zu unterdrücken. Die silberhaltigen Kleidungsstücke sollen helfen, die Verbreitung von Krankheitserregern zu erschweren. Angeblich hält die mit Nanopartikeln ausgestattete Kleidung auch länger.
  • Bei der Herstellung von Shirts, Bademode und Berufsbekleidung werden häufig Titandioxid-Partikel als eine Art integrierter UV-Schutz verwendet. Die Teilchen reflektieren UV-Licht und verhindern, dass es durch die Kleidung zur Haut gelangt.
  • Vor allem bei Gebrauchstextilien kommen Nanopartikel immer häufiger zum Einsatz. So werden bei Krankenhausgardinen und -vorhängen Silberpartikel eingearbeitet, welche die in Kliniken gefürchteten multiresistenten Keime abtöten sollen.
  • Schmutzresistente Stoffe in Markisen, Sonnenschirmen oder Zelten mit wasser- und fettabweisender Oberfläche, dem sogenannten „Lotus-Effekt“, sind häufig mit nanofeinem Siliziumdioxid beschichtet.
  • Sogenannte „selbstreinigende Textilien“ sollen dazu beitragen, Wasser- und Chemikalien einzusparen. Eine Schicht aus Titandioxid auf den Stoffen soll dazu führen, dass unter Lichteinwirkung Schmutz gebunden und dann abgebaut wird.

Mögliche Risiken

Nanofasern in Textil; Bild: Pressefoto BASF

Weil viele Textilien in direkten Kontakt mit der Haut kommen, gibt es immer wieder die Befürchtung, dass einzelne Bestandteile auf den Körper übergehen und dort möglicherweise Schaden anrichten könnten. Das wird beispielsweise bei den in Mode gekommenen Socken mit Silber-Zusatz gegen Fußgeruch diskutiert.

Die Textilindustrie betont, bisher sei noch nicht beobachtet worden, dass Bakterien resistent gegen Silber geworden seien und deshalb die keimtötende Wirkung nachlasse. Untersuchungen hätten zudem keine negativen Wirkungen auf die Hautflora gezeigt. Partikel, die durch Abrieb freigesetzt werden, verstärken den Aussagen zufolge kaum die allgegenwärtige Nano-Hintergrundbelastung.

Verschiedene Studien kommen aber zu dem Schluss, dass eine Resistenzbildung von Mikroorganismen gegen Silber nicht auszuschließen ist. Die Gefahr, dass Nanosilber über Abwasser in die Umwelt gelangt, wird als gering eingeschätzt, weil Silber in der Kläranlage ausfällt. Möglich ist allerdings, dass Silber mit als Dünger verwendetem Klärschlamm auf Felder ausgebracht wird.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät von einem "breiten Einsatz von Nanosilber in verbrauchernahen Produkten ab". Das fordert auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Im Interview erinnert er eindringlich ans Vorsorgeprinzip.

Keine Kennzeichnungspflicht

Eine allgemeine Kennzeichnungs- oder Registrierungspflicht für Textilien, die unter Anwendung der Nanotechnologien hergestellt wurden, existiert bislang nicht. Mehr zu diesem Thema bei Recht - Kennzeichnung.

Die Hohenstein-Institute, ein Forschungszentrum in Bönnigheim, haben ein Qualitätslabel für Nanotextilien entwickelt, das unter anderem die Scheuer- und die Waschbeständigkeit der Nanobeschichtung bei Textilien untersucht und zertifiziert. Die Untersuchung ist allerdings freiwillig und wird bislang nur von wenigen Unternehmen genutzt.


Hinter die Kulissen blicken:
"Dem Nanosilber in Textilien auf der Spur" - Bildreportage über die Arbeit der Hohenstein Institute in Boennigheim

"Nanovlies kann Pollen aufhalten" - Bildreportage über Vliesstoffe, die allerkleinste Teilchen aufhalten

Im Interview:
Dr. Rolf Buschmann, BUND: Umweltschäden von Anfang an vermeiden

(Stand: Dezember 2016)



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