Selbstverpflichtungen

Zwar gibt es kein einheitliches „Lex nano“ und auch nano-spezifische Aussagen in den Spezialgesetzen sind auf wenige Rechtsgebiete beschränkt, dennoch treffen Unternehmen und Institutionen Vorsorge: Mit Hilfe freiwilliger Selbstverpflichtungen versuchen sie, möglichen gesetzlichen Regelungen zuvor zu kommen und gegenüber der Öffentlichkeit einen verantwortungsbewussten Umgang mit Nanotechnologien zu demonstrieren.

Forderungen der Nano-Kommission der Bundesregierung

Nanomaterialien haben neue Eigenschaften, die möglicherweise die menschliche Gesundheit oder die Umwelt gefährden. Um mögliche Risiken für Verbraucher, für die Umwelt und für die Menschen, die in der Forschung oder Herstellung von Nanoprodukten tätig sind, von vornherein zu minimieren, hat die Nano-Kommission der Bundesregierung grundlegende Prinzipien für den verantwortungsvollen Umgang mit Nanomaterialien formuliert. Sie fordert:

  • eine verantwortungsbewusste Unternehmensführung, die Managementprozesse und Zuständigkeiten offenlegt,
  • die Schaffung eines Risikomanagements,
  • Transparenz hinsichtlich Nanotechnologie-relevanter Informationen, Daten und Prozesse,
  • die Bereitschaft, Verantwortung in der Wertschöpfungskette zu übernehmen sowie
  • die Bereitschaft zum Dialog mit Interessengruppen.

Leitfäden und Richtlinien der Industrie

Die Prinzipien haben nur Empfehlungscharakter. Sie bauen darauf, dass Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die mit Nanotechnologie arbeiten, sich zu diesen Prinzipien bekennen und sie freiwillig umsetzen. Einige Unternehmen und Verbände haben das auch schon getan, zum Beispiel die BASF SE, der Verband der Lack- und Druckfarbenindustrie, der Verband der Chemischen Industrie (VCI) oder die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA).

Einige große Unternehmen wie BASF SE oder Evonik und Verbände wie der VCI hatten bereits vor der Veröffentlichung der Prinzipien konkrete Leitfäden für den Umgang mit Nanomaterialien und Verhaltenskodices für eine verantwortungsvolle Produktion („Responsible Care Initiative“) entwickelt.


Auch das NanoBioNet, ein Zusammenschluss aus Hochschulen, Forschungsinstituten, Kliniken und Unternehmen, hat sich auf einen Verhaltenskodex im Umgang mit Nanomaterialien verständigt, der für alle Mitglieder verbindlich ist und sich an die Prinzipien der Nano-Kommission anlehnt.

BASF Verhaltenskodex
Nano-Leitfaden von Evonik-Industries
Leitfaden für Tätigkeiten mit Nanomaterialien am Arbeitsplatz der Chemischen Industrie in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA)
Responsible Care Initiative der Chemischen Industrie
Leitfaden des Verbandes der Deutsche Lack- und Druckfarbenindustrie für den Umgang mit Nanoobjekten am Arbeitsplatz
Verhaltenskodex NanoBioNet der Hochschulen, Forschungsinstituten, Kliniken und Unternehmen

Kritik der Verbände

Nach Ansicht der in der Nano-Kommission vertretenen Gewerkschaften, Umweltverbände und  Verbraucherorganisationen fällt diese Bilanz noch zu mager aus. Bislang würden sich zu wenige Unternehmen und Industriezweige zu den Prinzipien öffentlich bekennen und sich daran messen lassen. In vielen Wirtschaftsbereichen stehe zudem die Entwicklung von spezifischen Branchenleitfäden, die auf den Prinzipien beruhen, noch am Anfang.

(Stand: Dezember 2015)



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