Lebensmittelkennzeichnung – Wo ist die Nano-Klammer?

Laut Gesetz müssen Nanopartikel in Lebensmitteln gekennzeichnet werden. Wie kommt es, dass ich diesen Hinweis nie in den Zutatenlisten finde?

Antwort:

Wann eine Zutat als „Nanomaterial“ gilt, ist gesetzlich definiert. Zu den Kriterien gehört neben den Abmessungen auch, dass der Stoff absichtlich hergestellt und zugefügt wurde. Das Gesetz spricht deshalb konkret von“ technisch hergestelltem Nanomaterial“, um diese Stoffe von denen abzugrenzen, die natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommen. Nach der derzeitigen Rechtslage gibt es zwei Fälle, in denen eine solche Lebensmittelzutat als „nano“ gekennzeichnet werden würde:

a) Die Zutat wurde bisher nie in Lebensmitteln eingesetzt, ist völlig neu und erfüllt die Kriterien, nach denen ein Stoff zu den Nanomaterialien gehört. In diesem Fall müsste sie als „neuartiges Lebensmittel“ eigens von der EU auf seine Sicherheit hin bewertet und zugelassen werden. Bisher wurden aber weder „Nanozutaten“ zugelassen, noch liegt ein Zulassungsantrag vor.

b) Die Zutat wird schon lange auf dem europäischen Markt eingesetzt und erfüllt die Kriterien für ein „technisch hergestelltes Nanomaterial“. Das kann im Moment nur für einige Lebensmittelzusatzstoffe zutreffen. Acht von ihnen werden daher im Moment daraufhin überprüft, ob sie als Nanomaterial betrachtet werden müssen. Diese Überprüfung ist aber noch nicht abgeschlossen.

Die „Nano-Klammer“ taucht also derzeit in den Zutatenlisten deshalb nicht auf, weil bisher keine Nanomaterialien als gänzlich neue Lebensmittelzutaten eingesetzt werden und die altbekannten Zutaten möglicherweise nicht unter die gesetzliche Definition fallen.

Hintergrundinformationen zu Nanomaterialien in Lebensmitteln und den Zusatzstoffen, die jetzt in der Prüfung sind, finden Sie in den Rubriken Grundlagen sowie Anwendungen.

Über das Dilemma, das sich aus dieser Situation für die Lebensmittelüberwachung ergibt, sprachen wir mit Birgit Bienzle, der stellvertretenden Leiterin der amtlichen Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg.
 

(Stand August 2015)

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