Häufig gestellte Fragen

Wer sich für das Thema Nanotechnologien interessiert, erlebt oft, dass neue Erkenntnisse wieder neue Fragen aufwerfen. Die besonders oft auftretenden Fragen haben wir Ihnen im Folgenden zusammengestellt. Einige Antworten finden Sie beim Stöbern auf dieser Seite. Mehr dazu bei Sie fragen - wir antworten.

1. Was ist "Nanotechnologie"?

 "Die Nanotechnologie" gibt es nicht, auch wenn häufig in dieser Form darüber gesprochen wird. Da es sich um unterschiedliche Verfahren und Technologien handelt, ist die Verwendung des Begriffs "Nanotechnologien" angemessener.

​Noch gibt es keine international anerkannte Definition für den Begriff „Nanotechnologien“, doch die derzeit geltenden Übereinkünfte reichen für einen Überblick allemal aus:

„Nanotechnologien“ sind demnach alle Verfahren und Technologien, die mit Strukturen und Materialien arbeiten, die in mindestens einer Abmessung – also Höhe, Länge oder Breite - kleiner als 100 Nanometer (nm) sind. In der Regel wird kein Unterschied gemacht, ob an diesen Materialien geforscht wird oder ob sie in der Produktion eingesetzt werden. Ein Nanometer ist ein Millionstel eines Millimeters (10-6 mm bzw. 10-9 m).

Die Grenze von 100 nm ist unter Fachleuten umstritten, da viele Eigenschaften von Nanostrukturen auch bei größeren Partikeln auftreten. Es gibt daher Vorschläge, die Grenze anzuheben und stattdessen nur Technologien und Verfahren als Nanotechnologien zu bezeichnen, bei denen sich die Stoffeigenschaften von Materialien aufgrund ihrer Winzigkeit verändern. Ein Beispiel: Der charakteristische Glanz von Goldpartikeln verschwindet, wenn diese eine bestimmte Größe unterschreiten.

Das Internationale Institut für Normung (ISO) definiert Nanotechnologien vorläufig als „alle Anwendungen von wissenschaftlichem Wissen zur Manipulation und Kontrolle von Materie im nanoskaligen Bereich, wobei Eigenschaften und Phänomene auftreten können, die auf die Größe und Struktur zurückzuführen sind.“


2. Wie funktionieren Nanotechnologien?

Auch wenn sie alle winzig sind, so sind Nanomaterialien durchaus nicht alle gleich. Es wird unterschieden zwischen Nanoobjekten, wie etwa Nanopartikeln, Nanokugeln oder Nanokapseln und nanostrukturierten Materialien, wie beispielsweise Nanokompositen.

Es gibt verschiedene Methoden, Nanomaterialien herzustellen oder mit ihnen zu arbeiten:

Bei den so genannten Top-down-Verfahren geht es darum, Großes kleiner zu machen. Dazu werden aus einem Stoff mit Hilfe makroskopischer Materialien und Werkzeuge immer kleinere Strukturen bis hin zu Nanoeinheiten erzeugt.
 
Den umgekehrten Weg gehen die Bottom-up-Verfahren. Dabei werden nach dem Lego-Prinzip aus den winzigen Einzelteilen wieder größere Strukturen zusammengesetzt. Die berühmten Kohlenstoff-Nanoröhrchen (CNT) sind ein Beispiel für ein „von klein zu groß“ erschaffenes Nanomaterial.
 
Werden bei diesen Verfahren biologische Prinzipien in technische Anwendungen überführt, so spricht man vom „Bio-to-nano-Ansatz“. Ein Beispiel dafür ist der Lotus-Effekt: Nach dem Vorbild der Lotuspflanze beschichteten die Forscher und Entwickler Oberflächen so mit Nanopartikeln, dass Wasser davon abperlt und zugleich Verunreinigungen mitreißt.

Geht es dagegen um Verfahren, die eingesetzt werden, um biologische Systeme zu beeinflussen, sprechen die Fachleute von „Nano-to-bio-Verfahren“.


3. Wo begegnen mir heute schon Nanotechnologien?

Nanotechnologien werden heute bereits für die unterschiedlichsten Produkte eingesetzt, die wir in unserem Alltag nutzen:

  • Bei Autos beispielsweise werden verschiedene Nanopartikel in den Reifen, in den Autolackierungen und bei den Sitzbezügen eingearbeitet. Scheiben und Spiegel werden mit Nanopartikeln beschichtet.
  • In der Unterhaltungselektronik kommen Nanoteilchen vor allem bei LED-Leuchten zum Einsatz.
  • Neuere Waschmaschinen und Kühlschränke sind zum Teil von innen mit Nanosilber beschichtet.
  • Ebenso verfährt die Textilindustrie mit zahlreichen Stoffen und Fasern.
  • Bei Kosmetikartikeln finden sich Nanoteilchen zum Teil in Wimperntusche und Zahnpasta, das größte Anwendungsfeld sind jedoch Sonnenschutzmittel.
  • Die Putzmittelindustrie verwendet Nanoteilchen bei der Herstellung von Glasreinigern.
  • Es gibt Wandfarben, Regenschirme und Bratpfannen, bei denen Nanopartikel verwendet werden.
  • Lebensmitteln werden derzeit noch keine künstlich erzeugten Nanoteilchen zugesetzt. Eine Ausnahme ist Siliziumdioxid (in Form nanostrukturierter Aggregate), das als Rieselhilfsmittel, z. B. in Salz, zugesetzt wird.
  • Außerdem können Lebensmittelverpackungen Nanopartikel enthalten.

4. Welche Eigenschaften und welchen Nutzen haben Produkte, bei deren Herstellung Nanotechnologien eingesetzt wurden?

Je nach Art und Einsatz der Nanopartikel, haben diese ganz unterschiedliche Auswirkungen auf die Produkte, denen sie beigefügt wurden:

  • Auto: Nanofeiner Industrieruß (carbon black) beispielsweise sorgt bei Autoreifen dafür, dass diese weniger stark abgerieben werden. Siliciumdioxid wiederum verringert den Rollwiderstand der Reifen auf der Straße und trägt so zu geringerem Treibstoffverbrauch bei. Autolacke werden durch Nanoteilchen kratzfester. Nanopartikel auf Scheiben und Spiegeln sorgen dafür, dass diese weniger schnell beschlagen oder bei Dunkelheit automatisch abblenden.
  • Nanoteilchen auf Textilien machen diese wasser- und schmutzabweisend. Nanosilber setzt antibakteriell wirksame Silberionen frei und wird deshalb besonders gern Sportkleidung beigefügt. Mit Titandioxid beschichtete Kleidung hält UV-Strahlen ab. Aluminiumverbindungen sorgen dafür, dass Kleidung stabiler und weniger leicht brennbar ist.
  • Kosmetika: Nanopartikel machen Wimperntusche schwärzer und Zahnpasta weißer. Sie legen sich als „mineralischer Sonnenschutz“ auf die Haut und halten gefährliche UV-Strahlung fern.
  • Verpackungen: Sind sie in Plastikfolie eingearbeitet, mit der Obst oder Gemüse eingewickelt wird, dann verhindern sie, dass UV-Strahlen durchdringen.
  • In der Bauwirtschaft sorgen Nanoteilchen dafür, dass Fassadenanstriche schmutzabweisend und wärmereflektierend sind und außerdem Graffiti keinen Halt mehr bieten.
  • In der Medizin gibt es erste Erfolge in der Tumorbekämpfung.

5. Sind Nanotechnologien gefährlich?

Ein einfaches Ja oder Nein ist hier schon deshalb nicht möglich, weil Nanotechnologien eine Fülle sehr verschiedener Verfahren umfassen. Um abschätzen zu können, ob von einem Verfahren oder einer Substanz ein Risiko für Mensch und/oder Umwelt ausgeht, muss darüber hinaus zweierlei unterschieden werden:

  1. Die Wirkung eines Stoffes und
  2. die Gelegenheiten, mit ihm in Kontakt zu kommen.

Ein Beispiel dafür aus dem Vor-Nanotechnologie-Zeitalter ist Asbest. Sind Asbestfasern fest in einem Material gebunden, haben sie bestimmte technische Eigenschaften, und von einem Risiko für Mensch und Umwelt kann nicht gesprochen werden. Werden Asbestfasern jedoch freigesetzt und eingeatmet – beispielsweise beim Anbohren einer Asbestplatte - so geht ein erhebliches Gesundheitsrisiko von ihnen aus.

Bei vielen nanotechnologisch hergestellten Strukturen ist derzeit noch unklar, wie stabil sie sind.
Werden beispielsweise freie Nanoteilchen aus einem nano-beschichteten Textil herausgewaschen, und wenn ja, wie schnell?
Sind sie im Wasser frei beweglich oder lagern sie sich zusammen?
Was passiert, wenn sie von anderen Organismen, z. B. Fischen, aufgenommen werden?

Vieles davon ist noch nicht erforscht. Es gibt aber erste Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass es durchaus Risiken gibt. So zeigen Studien, dass Nanopartikel in Pulverform ähnlich wie Feinstaub die Lunge schädigen, wenn sie eingeatmet werden. Andererseits scheinen diese Partikel, einmal in Lebensmittelverpackungen eingebracht, dort so fest gebunden zu sein, dass sie nicht auf die Lebensmittel übergehen oder gar eingeamtet werden können.

Es zeichnet sich ab, dass die Sicherheits- und Risikoforschung Nanopartikel von Fall zu Fall und von Anwendung zu Anwendung unterscheiden und bewerten muss. Da viele Daten bisher noch fehlen, ist es zu früh für eine abschließende seriöse Antwort.


6. Gibt es Langzeitstudien zu den Auswirkungen der Nanotechnologien?

Da die Nanotechnologien erst seit wenigen Jahren in der breiteren (Fach-)Öffentlichkeit diskutiert werden, liegen bislang noch keine langfristigen Studien über die möglichen Auswirkungen von Nanopartikeln auf Gesundheit und Umwelt vor. Es gibt allerdings in Deutschland und auf EU-Ebene eine ganze Anzahl von Untersuchungen zu einzelnen Aspekten. Viele von ihnen beschäftigen sich mit der Frage, welche Folgen die Aufnahme von Nanoteilchen für Körperorgane oder –zellen hat. Untersucht wird auch, ob neue Gesetze oder sonstige Regelungen notwendig sind.
 
Wie jung die neue Technik ist und mit ihr die Überlegungen, welche Konsequenzen der umfassende Einsatz von Nanopartikeln für uns hat, zeigt sich auch daran, dass der Umweltrat der Bundesregierung noch im September 2011 ein Sondergutachten vorlegte, in dem er darauf hinwies, dass noch „Wissenslücken zum Gefährdungspotenzial von Nanomaterialien zu schließen“ sind, um Risiken für Mensch und Umwelt zu vermeiden.

Die NanoKommission der Bundesregierung hat ebenfalls 2011 einen Leitfaden zur Risiko-Nutzen-Abwägung von Nanoprodukten vorgelegt. Das alles sind erst Vorstufen für weitere, umfassende Studien.


7. Müssen Nanomaterialien zugelassen werden?

Nein, derzeit gibt es keine allgemeine Zulassungspflicht für Nanomaterialien oder Nanoprodukte.
 
Eine Ausnahme sind Lebensmittel. Hier müssen Zusatzstoffe, die nanotechnisch verändert wurden und dadurch neue Eigenschaften erhalten, ein Zulassungsverfahren durchlaufen, auch wenn sie dem Namen nach bereits zugelassen waren. Das ist aber insofern nichts Besonderes, als es für alle Lebensmittelzusatzstoffe gilt, die eine neue Funktion erfüllen sollen.
 
In Nahrungsergänzungsmitteln werden bereits so genannte Nanokapseln verwendet, die Vitamine und Mineralstoffe an die richtige Stelle im Körper transportieren sollen. Diese Nanokapseln sind allerdings natürlich vorkommende Strukturen, die lediglich nanoklein sind. Sie haben weder neue Eigenschaften, noch eine eigene biologische Wirkung. Daher werden sie vielfach nicht zu den Nanomaterialien im eigentlichen Sinne gezählt und sind nicht zulassungspflichtig.
 
Lebensmittelverpackungen, die Nanopartikel enthalten, müssen ebenfalls nicht eigens zugelassen werden. Für sie gilt aber per Gesetz, dass von ihnen keine Substanzen auf Lebensmittel übergehen dürfen. Deshalb sind antibakterielle Beschichtungen aus Nano-Silber für Folien und Geschirr, die derzeit heftig beworben werden, sehr umstritten. Kritiker fordern ein Verbot, bis abschließend geklärt ist, welche Auswirkungen Nano-Silber für den Körper und auf die Umwelt hat.
 
In der Medizin gilt: Alle Medikamente und Therapien müssen ein Zulassungsverfahren durchlaufen, egal, ob Nanomaterialien zum Einsatz kommen oder nicht.


8. Gibt es Lücken im Verbraucherschutz?

Der Verbraucherschutz hinkt der Entwicklung in den Nanotechnologien hinterher, wird aber offen diskutiert. Immer wieder wird beispielsweise die Forderung erhoben, nach dem Vorbild der Chemikalien-Verordnung (REACH) nur solche Entwicklungen für den Markt zuzulassen, die auch umfassend auf ihre gesundheitlichen und ökologischen Folgen hin untersucht wurden. Eine solche Zulassungspflicht für alle Nanomaterialien und/oder Nanoprodukte steht jedoch nicht in Aussicht.
 
Eine Anzeige- und Kennzeichnungspflicht besteht ab 2013 nur für Kosmetika. Auf ihren Verpackungen müssen dann alle Nanomaterialien, die mit dem Körper in Kontakt kommen, als solche ausgewiesen werden. In der Lebensmittelindustrie und in der Medizin gibt es eine Zulassungspflicht für alle neuen Zusatzstoffe und Entwicklungen, die auch nanotechnologische Produkte umfasst. Eine allgemeine Kennzeichnungspflicht gibt es bisher jedoch nicht.
 
Unabhängig davon, wie sich die Diskussionen um spezielle, verbraucherspezifische Gesetzesregelungen weiter entwickeln, sind schon heute alle Hersteller dem Schutz der Gesundheit des Verbrauchers verpflichtet. Es ist verboten, Produkte in Verkehr zu bringen, die die Gesundheit der Verbraucher gefährden könnten und es liegt schon heute in der Verantwortung jedes einzelnen Unternehmens, dies sicher zu stellen. Selbstverständlich gilt dieses Gebot auch für Produkte, bei deren Herstellung Nanotechnologien zum Einsatz kommen.
 
Die von der Bundesregierung ins Leben gerufene NanoKommission hat zwischen 2006 und 2010 unter anderem die Grundlagen für einen Leitfaden zur Risiko-Nutzen-Abwägung von Nanoprodukten entwickelt. Außerdem sprach sich die Kommission für ein verbindliches Produktregister aus, in dem alle Nanoprodukte und -materialien und ihre konkreten Anwendungen aufgeführt werden sollten. Aufgrund dieser Daten könnten Risiken besser abgeschätzt werden. Bisher gibt es jedoch noch kein solches verbindliches Produktregister.


9. Werden Produkte, die Nanomaterialien enthalten, entsprechend gekennzeichnet?

Bislang gibt es keine Verpflichtung dazu. Einige Hersteller weisen von sich aus auf Nano-Zutaten im Zusammenhang mit Werbeaussagen oder Auslobungen hin.
 
Nanomaterialien und die Produkte, die sie enthalten, sind in ihrer Zusammensetzung, Wirkung und Herstellung so unterschiedlich, dass ein simples „nano inside“ kaum etwas zur Aufklärung der Verbraucher beitragen würde. Auch aus diesem Grund gibt es derzeit noch keine Kennzeichnungspflicht für Nanomaterialien. Die Probleme mit der Definition und den Nachweisverfahren tragen ebenfalls dazu bei, dass sinnvolle Kennzeichnungssysteme derzeit noch nicht absehbar sind.
 
Am weitesten geht die Kosmetik-Verordnung, die ab 2013 gilt. Sie enthält die bislang einzige gesetzliche Definition des Begriffes "Nanomaterialien". Danach sind Nanomaterialien, die direkt mit dem Körper des Verbrauchers in Kontakt kommen, anzeige- und kennzeichnungspflichtig.
 
Im Lebensmittelrecht gibt es einen anderen Hebel, um mit Nanopartikeln umzugehen. So müssen Zusatzstoffe, die bereits zugelassen sind, ein neues Zulassungsverfahren durchlaufen, wenn sie neuerdings Nanoteilchen enthalten und dadurch neue Eigenschaften haben. Nach der europäischen Lebensmittelinformationsverordnung, müssen künftig Lebensmittel, in die willentlich Nanopartikel eingebracht wurden, besonders gekennzeichnet werden. Für Nanoteilchen in Verpackungen wird diese Kennzeichnungspflicht aber nicht gelten.
 
Besondere Pflichten im Umgang mit Nanomaterialien, für ihre Herstellung und Vermarktung sowie ihre Kennzeichnung werden zudem im Zusammenhang mit der Chemikalienrichtlinie (REACH), dem Pflanzenschutzmittel- und dem Arbeitsrecht diskutiert.


10. Werden Nano-Produkte besonders kontrolliert?

Nein. Weil es noch keine umfassenden Erkenntnisse darüber gibt, ob Nano-Produkte bestimmte Risiken bergen, die nur für diese Produkte gelten, gibt es keine speziell darauf ausgerichteten Kontrollen.

Außerdem gibt es in den meisten Fällen noch keine Kennzeichnungspflicht, die von den Überwachungsbehörden überprüft werden könnte. Wenn Nano-Produkte überprüft werden, dann weil sie zu einer bestimmten Produktgruppe gehören, die ohnehin Kontrollen unterliegt, zum Beispiel Kosmetika. Dann wird aber wiederum nicht untersucht, ob die verwendeten Nanoteilchen problematische Folgen nach sich ziehen, sondern ob die allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen eingehalten wurden.

Das gilt auch für Untersuchungen am Arbeitsplatz. Wird hier kritisiert, dass die Feinstaubbelastung zu hoch liegt, dann nicht, weil dieser möglicherweise aus Nanopartikeln bestehen könnte, sondern weil Feinstaub insgesamt die Lungen schädigt.
 
Es gibt auch keine Qualitätskontrollen, die sich auf die Nanoteilchen beziehen und zum Beispiel fehlerhafte Partikel aussortieren. Das ist bei der geringen Größe der Nanoteilchen schlecht möglich. Außerdem hängt die Wirkung der Nanotechnologie meist nicht an der Funktion einzelner kleiner Partikel, sondern im Zusammenspiel dieser untereinander und mit anderen Substanzen. Es gibt allerdings erste Überlegungen dazu, wie die Produktqualität und Fertigungsprozesse kontrolliert werden können.


11. Ist wirklich Nano drin, wenn Nano drauf steht?

Derzeit ist "Nanotechnologie" sehr angesagt. „Nano“, das klingt modern, nach neuester Technik und auf der Höhe der Zeit. Viele Unternehmen preisen daher ihre Waren als „Nano“-Produkte an. So bieten beispielsweise Softwarefirmen „Nanotools“ an, kleine Zusatzprogramme, die bestehende Software den speziellen Bedürfnissen der Computernutzer anpasst. Das Auto „Nano“ des indischen Fahrzeugherstellers Tata heißt so, weil es besonders klein ist. Autowaschstraßen werben mit „Nanopolierwachs“. Sehr feine Substanzen sollen dem Lack einen besonderen Glanz verleihen.
 
Nicht immer kommen dabei tatsächlich Nanomaterialien zum Einsatz. Bislang ist weder geregelt, unter welchen Bedingungen freiwillig mit „Nano“ geworben werden darf, noch wann die Verwendung von Nanomaterialien verbindlich gekennzeichnet werden muss (mit Ausnahmen im Kosmetik- und im Lebensmittelrecht).

Nicht in allen Fällen werden Produkte unbedingt fälschlicherweise als „nano“ angeboten. Denn Industrie und Entwicklung experimentieren bereits seit Jahren mit miniaturisierten Produkten, ohne sie unbedingt systematisch entwickelt zu haben. So gibt es beispielsweise schon eine ganze Weile Sonnenschutzcremes, in denen Titanoxid in besonders feiner Pulverform – nicht jedoch gezielt als Nanomaterial - als mineralischer Sonnenschutz eingesetzt war.
 
Aus Sicht der Verbraucher stellt sich daher nicht nur die Frage, was sie erwarten dürfen, wenn Hersteller den Begriff „nano“ besonders hervorheben, sondern auch, ob und wie Produkte gekennzeichnet sind, die tatsächlich Nanopartikel enthalten.


12. Wo werden mir in Zukunft Nanotechnologien begegnen?

Vor allem die Textil- und die Informationsindustrie experimentieren intensiv mit neuen Nanomaterialien. So hat der finnische Mobilfunkhersteller Nokia den Prototypen eines extrem biegsamen Handys entwickelt. Dieses lässt sich, wenn es nicht gebraucht wird, um das Handgelenk wickeln oder wie ein Stück Papier zusammenknüllen. Zum Telefonieren wird es wieder glatt gestrichen.
 
Die Textilindustrie arbeitet an Stoffen, bei denen die Körperbewegung und –wärme in Energie umgewandelt wird, die dann für den Betrieb von Mobiltelefonen oder auch Herzschrittmachern genutzt werden kann. Genauso könnten besondere Nanodrähte dazu dienen, den Gesundheitszustand einzelner Personen zu überwachen und im Falle einer Krise einen Notruf auszulösen.
 
Die Medizin hofft auf neue Diagnose- und Therapieverfahren durch die Nanotechnologien. So sollen „Nanobots“, winzige Roboter, irgendwann in der Lage sein, durch den Körper zu wandern und erkrankte Zellen aufzuspüren und zu behandeln. Ein japanischer Forscher hat einen Prototyp entwickelt, der in Tumore eindringen und diese von innen mit Hitze zerstören soll.
 
Der Fantasie der Wissenschaftler und Entwickler scheint keine Grenzen gesetzt zu sein. Wir werden deshalb auch in Zukunft mit Produkten konfrontiert werden, die wir bislang nicht für möglich gehalten haben.


13. Tragen Nanomaterialien zum Umwelt- und Klimaschutz bei?

Das ist durchaus denkbar. So werden derzeit Gebäudeanstriche entwickelt, die nicht nur schmutzabweisend, sondern auch wärmereflektierend sind, wodurch weniger Energie zur Kühlung benötigt werden soll. Gar nicht so unwahrscheinlich ist außerdem der Gedanke, dass leitfähige Fassadenanstriche Sonnenlicht in Strom oder Wärme umwandeln.

Es gibt bereits Textilien, die nach einem ähnlichen Prinzip Körperbewegung und –wärme Energie zum Beispiel für Handys erzeugen. In der Landwirtschaft könnten mikrofein und zielgenau aufgebrachte Düngemittel und Pestizide helfen, den Verbrauch dieser Stoffe zu verringern. Nanopartikel, so die Hoffnung, könnten dazu beitragen, dass insgesamt weniger Rohstoffe verbraucht werden.
 
Nicht alle teilen diese Begeisterung. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) beispielsweise warnt davor, dass sich Nanopartikel in der Umwelt anreichern. Die Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere sind nicht ausreichend erforscht. Titandioxid und Zinkoxid in Nanoform haben sich laut einer Studie der Universität Koblenz-Landau als giftig für die ökologisch sehr wertvollen Wasserflöhe erwiesen. Nanosilber könnte schädlich für nützliche Bakterien sein.
 
Weil die Datenlage bislang sehr dünn ist und viele Messverfahren noch nicht entwickelt wurden oder auch einfach geeignete Messinstrumente fehlen, lässt sich nicht abschließend klären, ob die Vor- oder die Nachteile überwiegen. Da die Nanoprodukte in Aufbau und Wirkweise sehr unterschiedlich sind, müssen diese Aspekte jeweils einzeln untersucht werden. Weil dabei der gesamte Lebensweg und die vollständige Energiebilanz eines Produktes berücksichtigt werden müssen, lässt sich die Frage nach dem ökologischen Nutzen bislang kaum beantworten.


14. Sind Nanotechnologien die neue Gentechnik?

Auch wenn die Frage auf den ersten Blick merkwürdig klingen mag, so gibt es durchaus Parallelen zwischen der Gentechnik und den Nanotechnologien. In beiden Fällen arbeiten Wissenschaftler mit winzigen, für das menschliche Auge unsichtbaren Strukturen, die unter Umständen aber große, sichtbare Auswirkungen haben können. Dadurch bieten beide Forschungsfelder Nährboden für Hoffnungen, Wünsche, Gerüchte und Katastrophenszenarien.

Doch Gentechnik und Nanotechnologien sind keineswegs verwandt. Der wichtigste Unterschied ist, dass Nanotechnologien mit unbelebten Materialien, die Gentechnik mit lebenden Organismen arbeitet. Nanotechnologien erschaffen keine neuen Lebensformen, können aber Auswirkungen auf bestehende haben.

Durchaus wünschenswert wäre es, aus den Debatten um die Gentechnik zu lernen und von vornherein die Chancen und auch die Risiken der Nanotechnologien zu diskutieren. Eine entsprechende Risikoforschung sollte die Entwicklungen in den Nanotechnologien begleiten und die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Das immer wieder geforderte Register für Nanoprodukte wäre ein Schritt in diese Richtung.

Und schließlich müssen Verbraucher die Wahlfreiheit haben, ob sie Nano-Produkte verwenden wollen oder nicht. Dazu müssen aussagestarke Kennzeichnungsformen eingeführt werden. Anders als bei der Gentechnik werden all diese Dinge jedoch bereits ernsthaft diskutiert und teilweise schon auf den Weg gebracht.