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Nanoview: BfR-Studie zur Verbraucherwahrnehmung von Nanotechnologien

(28. Oktober 2013) Beim letzten Expertenworkshop des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg präsentierte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits erste Ergebnisse der Studie "Nanoview – Einflussfaktoren auf die Wahrnehmung der Nanotechnologien und zielgruppenspezifische Risikokommunikationsstrategien". Kürzlich wurde der Abschlussbericht vom BfR veröffentlicht. Ziel des Projektes war, Erkenntnisse zu gewinnen, wie  Verbraucherinnen und Verbrauchern Forschungsergebnisse und Risikobewertungen am besten vermittelt werden können.

Nanotechnologien gelten weltweit als Zukunftstechnologie und Antriebsfeder für Innovationen. Nicht nur die Elektro-, Medizintechnik-, Textil- und Verpackungsindustrie versprechen sich Einiges von den Erkenntnissen aus der Nanowelt. Es ist daher davon auszugehen, dass die Produktionsmengen und Anwendungen verschiedenster Nanomaterialien künftig ansteigen werden und Mensch und Umwelt bei immer mehr Gelegenheiten mit ihnen in Berührung kommen werden. Ob und wie Nanomaterialien die Gesundheit des Menschen schädigen können, wird unter Experten intensiv diskutiert. Wie die Gesellschaft mit den neuen Möglichkeiten umgehen wird, hängt auch davon ab, wie die Menschen zu den Nanotechnologien und ihren Anwendungen im Alltag stehen. Ein Ziel der Nanoview-Studie des BfR war deshalb, Wissen und Einstellungen über Nanotechnologien in der deutschen Bevölkerung zu untersuchen. Und weil Risikoforschung wenig nutzt, wenn niemand von den Ergebnissen Notiz nimmt, war ein weiteres Ziel der Studie, sich über geeignete Maßnahmen klar zu werden, wie die Informationen für die Verbraucherinnen und Verbraucher am besten zugänglich gemacht werden könnten.

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Differenzierte Meinungen
In vielen europäischen Staaten ist etwa zwei Dritteln der Bevölkerung der Begriff geläufig. In Deutschland ist die Bekanntheit der Technologie vergleichsweise hoch, in den USA und Großbritannien dagegen recht niedrig. Die meisten Deutschen, die von Nanotechnologien schon gehört haben, meinen wenig zu wissen. Nachfragen aber zeigten, dass sie mehr wussten, als sie dachten: Sie können recht gut umreißen, worum es bei den Nanotechnologien geht und wo sie in etwa angewendet werden. Viele derer, die sich vage mit dem Thema auskennen, stehen den Nanotechnologien positiv gegenüber, in keinem anderen europäischen Land finden sich aber zugleich auch so viele Nano-Skeptiker, die eher negative Effekte auf ihren Alltag erwarten. Besonders zuversichtlich eingestellt sind dagegen die Schweden.

Beim Vergleich verschiedener Studien zu dem Thema stellten die Forscher zudem fest, dass die Einstellungen der Befragten stark von der „Begleitmusik“ bestimmt werden: In Untersuchungen, in denen den Menschen zunächst Informationen zum Thema Nanotechnologien zur Verfügung gestellt wurden, äußerten sie sich tendenziell zuversichtlicher und bejahender, je weniger die Risiken dabei im Mittelpunkt standen. Wenig überraschend ist auch der Befund, dass Verbraucherinnen und Verbraucher Nanotechnologien differenziert bewerten: Körpernahe Anwendungen wie in Kosmetika oder Textilien haben weniger Befürworter als körperferne Nano-Anwendungen wie z.B. in Autolacken oder Wandfarben. Besonders ablehnend stehen die befragten Verbraucherinnen und Verbraucher den (möglichen) Nano-Anwendungen in Lebensmitteln gegenüber.

Kommunikation anpassen
Die Forschung an und die Anwendung von Nanostrukturen sind bereits Alltag und werden es auch in Zukunft bleiben. Nun geht es darum, einen gesellschaftlichen Umgang mit den Nanotechnologien zu finden, der Forschung und Entwicklung erlaubt und Risiken für Mensch und Umwelt gerecht wird. Parallel zu den Entwicklungen in den Nanotechnologien muss auch die Kommunikation mit der Öffentlichkeit organisiert werden. Die Wissenschaftler des BfR machten sich daher Gedanken darüber, wie auf den Kommunikationsinstrumenten Information, Beteiligung, Dialog zu spielen ist, um die verschiedenen Zielgruppen gut zu erreichen. Männer, die den Nanotechnologien eher positiv gegenüberstehen, interessieren sich zum Beispiel für neue Anwendungen und sind für Informationen von staatlichen Behörden und Wissenschaftler aufgeschlossen. Dagegen gehören Frauen häufiger zu den Nano-Skeptikern, die mehr über die möglichen Risiken erfahren wollen. Sie interessieren sich eher für alltagsnahe Anwendungen und die Maßnahmen zum Risikomanagement, wobei sie staatlichen Behörden und Verbraucherorganisationen eher vertrauen. Smartphone-Apps und anschauliche Angebote wie das offene Nano-Labor oder Experimentierkoffer könnten Männern die gewünschten Informationen bieten. Frauen sind dagegen eher mit Online-Spielen, Ausstellungen im Museum oder Broschüren zu erreichen. Um Verbraucherinnen und Verbraucher in die Lage zu versetzen, sich ein eigenes Bild von den Nanotechnologien zu machen und ihre Entscheidungen nach den persönlichen Schwerpunkten zu treffen, wird es daher wesentlich darauf ankommen, den besten Mix aus Informationsangeboten zu finden.

Den Bericht Nanoview – Einflussfaktoren auf die Wahrnehmung der Nanotechnologien und zielgruppenspezifische Risikokommunikationsstrategien des BfR finden Sie hier.

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