NanoObservatory startet – und wird scharf kritisiert

(13.12.2016) Die Europäische Kommission hat den Startschuss gegeben: Die Europäische Chemikalienagentur ECHA wird das "Observatory for Nanomaterials" aufbauen. Nichtregierungsorganisationen aus ganz Europa kritisieren das Vorhaben als "nicht zielführend".

Seit Jahren fordern Umwelt- und Verbraucherverbände, Risikomanager und das Europäische Parlament ein europäisches Register für Produkte, die Nanomaterialien enthalten. Auf diese Weise sollte nachvollziehbar werden welche Nanomaterialien konkret in welchen Mengen und welchen Produkten eingesetzt werden und welchen Weg es geht. Diese Informationen sollten für die Öffentlichkeit zugänglich sein, um Verbraucherinnen und Verbrauchern eine Entscheidungsgrundlage zu geben. Nun steht fest: Ein solches Register wird es auf europäischer Ebene nicht geben. Stattdessen entschied sich die Europäische Kommission für das Instrument des „European Union Observatory for Nanomaterials (EU-ON)“, also Beobachtung statt Registrierung.

Bestehendes zusammentragen
Am 7. Dezember beauftragte die Kommission offiziell die Europäische Chemikalienagentur ECHA damit, diese „Nano-Übersicht“ aufzubauen. Sie wird dafür die bereits vorhandenen Informationen aus der Chemikalien-Registrierung nach REACH, aus den Registrierungspflichten für Kosmetika und Biozide sowie aus bestehenden Datenbanken und wissenschaftlichen Studien zusammentragen. Ziel ist es, der Öffentlichkeit objektive und zuverlässige Informationen über nanomaterialhaltige Produkte und Sicherheitsaspekte nutzerfreundlich aufzubereiten. Zielgruppe sind Unternehmen, Angestellte und Arbeiter, Behörden und Verbraucher.

Laute Kritik
Das deutsche Umweltbundesamt hält dieses Instrument nicht für geeignet, Transparenz für den Europäischen Markt zu erreichen. Das liegt unter anderem daran, dass die Registrierung nach REACH derzeit Nanomaterialien gar nicht berücksichtigt. Selbst das eingeschränkte Ziel des EU-NO ließe sich nach Einschätzung der Experten daher nur dann erreichen, wenn die chemikalienrechtlichen Regelungen entsprechend angepasst würden. Auch eine Reihe von europäischen Umwelt- und Verbraucherorganisationen finden deutliche Worte „Das Observatory wird in dieser Form nichts tun, um Bürger und Experten zu informieren und ist daher eine Verschwendung von Steuergeldern,“ heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme (die Sie im englischen Wortlaut hier finden). Aus diesem Grund lehnen es die beteiligten NGOs ab, an diesem Observatory mitzuarbeiten.

Langer Prozess
Fünf Jahre hat die ECHA nun Zeit, dieses Informationsangebot aufzubauen. Bereits im Sommer 2017 sollen erste Informationen darüber online gehen, was Nanomaterialien sind, wie sie genutzt werden und welche Sicherheitsfragen sich dabei stellen. Für deutsche Verbraucher wird das zunächst kein Gewinn sein. Sie finden Diese Informationen seit Jahren auf www.nanopartikel.info und hier, im Nanoportal Baden-Württemberg.