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Nanokennzeichnung - EU-Parlament lehnt Vorschlag der Kommission ab

(31.03.2014) Zum Ende dieses Jahres sollen Verbraucher in der Zutatenliste von Lebensmitteln erkennen können, ob und welche Zutaten als Nanopartikel enthalten sind. Die Europäische Kommission hatte einen Vorschlag dafür gemacht, unter welchen Bedingungen Stoffe als Nanopartikel angesehen werden und wann sie kennzeichnungspflichtig sind. Doch der missachtete die Wünsche des EU-Parlaments und bringt Verbrauchern gar nichts. Die Abgeordneten fordern daher eine Überarbeitung.

Ab Dezember 2014 müssen technisch hergestellte Nanomaterialien in der Zutatenliste von Lebensmitteln als „(Nano)“ gekennzeichnet werden. So schreibt es die Lebensmittelinformationsverordnung vor und gibt zugleich die Möglichkeit, diesen Begriff an den jeweils aktuellen Stand von Wissenschaft, Technik und internationalen Vereinbarungen anzupassen. Eine solche Anpassung hatte die EU-Kommission im Dezember 2013 vorgenommen, als sie klarstellte, was künftig im Zusammenhang mit Lebensmitteln unter „technisch hergestellte Nanomaterialien“ zu verstehen sein sollte und wie die Information der Verbraucher auszusehen habe.

Definition umstritten
In der Begriffsbestimmung hielt sich die Kommission an ihre eigene Empfehlung aus dem Jahr 2011. Danach gelten solche Materialien als technisch hergestellte Nanomaterialien, die absichtlich hergestellt wurde und mindestens zur Hälfte aus Partikeln oder Zusammenschlüssen davon besteht, die in wenigstens einer Abmessung zwischen 1 und 100 Nanometern groß sind. Diese Definition ist deutlich enger, als die ursprünglich für Lebensmittel vorgesehene. Sie hatte alle absichtlich hergestellten Materialien umfasst, deren Partikel, innere Struktur oder Oberfläche aus Einheiten von weniger als 100 nm Größe bestehen. Darüber hinaus waren auch größere Strukturen inbegriffen gewesen, sofern sie weiterhin Eigenschaften aufwiesen, die durch ihre Nanogröße bedingt waren. Beide Definitionsansätze sind umstritten. Da viele Stoffe nicht aus nur einer einzigen Teilchengröße bestehen, findet der pragmatische 50-%-Ansatz durchaus Befürworter. Kritiker sehen jedoch noch zu viele offene Sicherheitsfragen im Raum stehen. Der Definitionsvorschlag ist für sie eine unzulässige Einengung, der den möglichen Risiken nicht gerecht wird. So spricht sich etwa die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit dafür aus, den vorsorgenden Verbraucherschutz im Blick zu haben und schon Stoffe mit einem Nanopartikelanteil von zehn Prozent als Nanomaterialien anzusehen.

Foto: Miroslaw/pixelio.de

An der Kennzeichnung vorbei gemogelt
Die „technisch hergestellten Nanomaterialien“, die in Lebensmitteln eingesetzt werden (könnten), gehören allesamt zur Gruppe der Lebensmittelzusatzstoffe. Sie unterliegen einem strengen Zulassungsverfahren, im Rahmen dessen auch ihre genaue Beschaffenheit (Größe und Verteilung der Teilchen, Reinheit usw.) festgeschrieben wird. Für acht der über 300 Stoffe wird derzeit überprüft, ob sie in Form von Nanopartikeln vorliegen. Der Kennzeichnungsvorschlag der EU-Kommission sah vor, die Zusatzstoffe von der Nano-Definition und der Kennzeichnung auszunehmen. Lediglich Stoffe, die nach dem März 2012 zugelassen wurden, sollten die erhellende „Nano“-Klammer bekommen. Auf diese Weise hätte es de facto keine Nano-Kennzeichnung für Lebensmittel gegeben, Verbraucher hätten von der Nano-Größe einiger Zusatzstoffe nichts erfahren. Das verstieße gegen das Ziel, Verbrauchern Transparenz und damit Entscheidungsfreiheit zu geben. Die EU-Kommission begründete dieses Vorgehen damit, dass es Verbraucher verunsichern könnte, wenn etablierte Zusatzstoffe als "Nano" gekennzeichnet würden. Sie könnten annehmen, Zusatzstoffe mit dem Hinweis „Nano“ seien neu, obwohl sie bereits seit Jahrzehnten eingesetzt würden.

Die Folge
Das Europäische Parlament hatte sich wiederholt für eine trennscharfe Definition und eine einheitliche Kennzeichnung von technisch hergestellten Nanomaterialien ausgesprochen. Ziel war und ist es gerade, Verbrauchern die nötigen Informationen für eine selbstbestimmte Entscheidung zu geben – und zwar unabhängig davon, ob Nanomaterialien „neu“ oder „alt“ sind. Mit ihrem Vorschlag setzte sich die EU-Kommission darüber hinweg. Entsprechend eindeutig lehnten die Parlamentarier ihn ab: 402 von 674 Abgeordneten stimmten für eine Resolution, mit der sie die Kommission auffordern, einen neuen Vorschlag für eine verbraucherfreundliche Definition und Kennzeichnung von Nanomaterialien vorzulegen, in der die Position des Parlamentes berücksichtigt wird. Bis ein solcher Vorschlag vorliegt und angenommen wurde, bleibt ungeklärt, von welchen Nanomaterialien in Lebensmitteln Verbraucher künftig erfahren werden.

Ausführliche Informationen über den Einsatz von Nanomaterialien in Lebensmitteln haben wir Ihnen hier zusammengestellt.
Mehr Informationen zu Lebensmittelzusatzstoffen finden Sie unter www.zusatzstoffe-online.de.

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