Service-Navigation

Suchfunktion

Nanomaterialien in Verpackungen besser untersuchen​

(10.10.2016) Lebensmittel sind heute in den meisten Fällen auf unterschiedliche Weise verpackt. Woraus Verpackungen bestehen dürfen ist in einer EU-Verordnung geregelt. Das Europäische Parlament hat sich mit diesen Regeln auseinandergesetzt und fordert eine Überarbeitung. Auch mit Blick auf die Nanomaterialien.

Die „Verordnung über Materialien, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen“ (VO (EG) 1935/2004) wurde geschaffen, um für die ganze Europäische Union festzulegen, welche Regeln für die Chemikalien in Frischhaltedosen, Getränkekartons, Kühlschrankinnenräumen oder Verpackungen gelten. Ziel dieses Regelwerkes ist es, Verbraucher vor gesundheitlichen Risiken zu schützen und schädliche Umwelteinflüsse durch die vielfältigen Materialien zu verhindern. Auf Initiative des Ausschusses für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und der dänischen Abgeordneten Christel Schaldemose (S&D - Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament) sahen sich die Abgeordneten des Europäischen Parlamentes in den vergangenen Monaten an, wie die Regelungen zu den Lebensmittelkontaktmaterialien derzeit umgesetzt werden und ob dies im Sinne des vorsorgenden Verbraucherschutzes ist.

Bild: www.pixabay.de

EP fordert Überarbeitung
Ihr Ergebnis: Die bestehenden Regeln werden sehr unterschiedlich umgesetzt, die Einfuhren von entsprechenden Materialien aus dem Ausland unzureichend überwacht, Hersteller sehen sich verschiedenen Regelungen gegenüber, die Rückverfolgbarkeit der eingesetzten Materialien ist derzeit nicht gewährleistet.  Besondere Sorgen machen sich Fachleute dabei um gentoxische Chemikalien, endokrine Disruptoren und Nanomaterialien. Nur für vier der insgesamt 17 Gruppen von Kontaktmaterialien bestehen derzeit tatsächlich europaweit einheitliche Regelungen: Kunststoffe, Keramik, regenerierte Cellulose und aktive und intelligente Materialien. Die übrigen – unter ihnen Papier und Karton, Metalle und Legierungen, Klebstoffe, Druckfarben, Lacke und Beschichtungen – sind bisher nur teilweise und auch nur national geregelt.

Nanomaterialien strenger regeln
Das Europäische Parlament fordert daher die Europäische Kommission auf, die Regeln zu überarbeiten und insbesondere die Methoden zur Untersuchung der Kontaktmaterialien zu vereinheitliche, analytische und toxikologische Testverfahren für die zielführende Bewertung von endokrinen Disruptoren und gentoxischen Substanzen zu entwickeln, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stärker in die Risikobewertung (insbesondere für Stoffgemische) einzubeziehen und die Rückverfolgbarkeit von Lebensmittelkontaktmaterialien zu gewährleisten.

Mit Blick auf die Nanomaterialien fordert das Europäische Parlament: ​

  • mehr Forschung, insbesondere zu Wirksamkeit und Migrationsverhalten – und das nicht nur anhand der reinen Chemikalie, sondern auch im verarbeiteten, tatsächlich eingesetzten Gegenstand/Material​,
  • den Einsatz von Nanomaterialien für alle Lebensmittelkontaktmaterialien nur nach ausdrücklicher Zulassung zu erlauben (bisher gibt es eine solche Zulassungspflicht nur für Kunststoffe).​ 
  • eine Kennzeichnungspflicht für absichtlich eingesetzte Nanomaterialien in Lebensmittelkontaktmaterialien und -Gegenständen.

Das vollständige Dokument: „Entschließung des Europäischen Parlamentes vom 6. Oktober 2016 zur Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 über Lebensmittelkontaktmaterialien ((2015/2259 (INI))".

Fußleiste