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Risiken ganzheitlich im Blick behalten

(31.03.2015) Der Siegeszug der Nanomaterialien in Wissenschaft und Industrie wirft auch für Versicherungen Fragen auf. Die Innovationsgesellschaft St. Gallen und das Rückversicherungsunternehmen Gen Re haben ein System entwickelt, um die Materialien und ihre möglichen Risiken systematisch zu erfassen und zu bewerten.

Wenn Wissenschaftler an Materialien und Anwendungen forschen und Unternehmen Produkte vermarkten, fragen sich Versicherungsunternehmen, ob und wie ein Versicherungsschutz möglich ist. Als Grundlage dafür hat die Innovationsgesellschaft St. Gallen ein spezielles Monitoring entwickelt, im Zuge dessen für die wirtschaftlich wichtigsten Nanomaterialien Chancen-Risiko-Profile erstellt und fortlaufend aktualisiert werden.

Wo Versicherer Risiken erwarten
Das Beobachtungs- und Bewertungssystem basiert auf wissenschaftlichen Daten zur Toxikologie, zum Arbeitsschutz, zur gesetzlichen Regulierung, zu den bisherigen Erfahrungen sowie zu den Anwendungen des jeweiligen Nanomaterials. Dabei haben Versicherer ihren eigenen Blickwinkel:

Foto: Gen Re Köln/Finanzplaner TV GmbH

So sind beispielsweise bestimmte Carbon Nanotubes (CNT) von großem wirtschaftlichen Interesse und zugleich nachgewiesenermaßen giftig oder krebserregend. Arbeitnehmer, die unter unzureichenden Arbeitsschutzbedingungen freie CNT einatmen können, könnten daher ein hohes Risiko tragen. Zudem sind Nanomaterialien in vielen Ländern noch nicht widerspruchsfrei gesetzlich geregelt, Neuregelungen könnten auch die Versicherungswirtschaft betreffen, wenn beispielsweise die Bestimmungen zur Haftpflicht mit Blick auf den Umgang mit Nanomaterialien verschärft würden. Unabhängig von tatsächlichen gesundheitlichen oder umweltbezogenen Gefährdungen könnten Unternehmen auch durch öffentliche Stimmung Probleme bekommen. Die Versicherer behalten daher auch im Blick, wie wahrscheinlich Umsatzeinbußen oder Klagewellen sind.

Vorsorgen für die Zukunft
Das Nano-Monitoringsystem, das im März 2015 in Köln vorgestellt wurde, wird die Chancen-Risiko-Profile der Nanomaterialien vor allem für drei große Wirtschaftszweige ermitteln: Medizin (inkl. Medizinprodukte), Lebensmittel (inkl. Verpackungen und Bedarfsgegenstände) und Kosmetik. Dabei werden die Materialien in drei Risikoklassen eingeteilt und die Ausprägung der verschiedenen Risiko-Dimensionen, wie beispielsweise Toxizität, Regulation, Reputation usw. grafisch dargestellt. Mit diesem System will die Versicherungswirtschaft sich auf gegenwärtige und künftige Entwicklungen einstellen.

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