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UBA bewertet die Kanzerogenität von Nanomaterialien

(29.07.2014) Sehr kleine Partikel und Fasern, die beim Einatmen in die Lungenbläschen gelangen, können Entzündungen und Krebserkrankungen auslösen. Es wird befürchtet, dass dies im Falle von Nanomaterialien noch wahrscheinlicher ist. Das Umweltbundesamt wertete nun über 100 Einzelstudien aus – und sieht die Sache differenzierter.

Über 100 Langzeitstudien an Nagern, denen Carbon Black, Siliciumdioxid, Metallen oder Metalloxiden gezielt in die Lunge (übers Einatmen) oder andere Organe verabreicht worden waren, nahm sich das Umweltbundesamt (UBA) noch einmal vor. In seinem Auftrag verglichen die Forscher des Fraunhofer Instituts für Toxikologie und experimentelle Medizin die Daten zur Giftigkeit (Toxizität), die Erkenntnisse über Indikatoren für Kanzerogenität, die verschiedenen Eigenschaften der untersuchten Materialien und auch die Art und die Durchführung der Studien selbst systematisch miteinander. Die Ergebnisse sollen helfen, in der Gesetzgebung den tatsächlichen Risiken durch Nanomaterialien besser gerecht zu werden. Sie sprechen dafür, die Risikobewertung von Nanomaterialien danach zu unterscheiden, ob und wie sehr sie überhaupt Effekte im Organismus hervorrufen können.

Nano ist nicht immer giftig
Von den im Rahmen dieser Meta-Studie untersuchten Materialien hatte Silber das höchste toxische Potenzial. Es zeigte sich zudem, dass die untersuchten Nanomaterialien sämtlich Entzündungsprozesse in den untersuchten Zellen hervoriefen – allerdings bei sehr unterschiedlichen Konzentrationen. Verglichen mit den jeweils entsprechenden Materialien mit größerem Partikeldurchmesser traten für Nano-Materialien schon bei geringerer Konzentration messbare Effekte in den untersuchten Geweben auf. Es zeigte sich zudem einmal mehr, dass Nano-Materialien danach unterschieden werden können, wie stark sie in der Lage sind, Entzündungen hervorzurufen. Einige sind, wie Carbon Black, Titandioxid oder auch Siliciumdioxid, praktisch „inert“, lösen also im untersuchten Gewebe erst bei vergleichsweise hoher Konzentration überhaupt messbare Effekte aus. Bei anderen genügen schon deutlich kleinere Mengen, um Entzündungsprozesse in Gang zu setzen. So gehören etwa die umstrittenen Nanotubes eindeutig in die Gruppe der Nanomaterialien, für die eine spezifische Giftigkeit als erwiesen gelten kann. Das UBA empfiehlt, diese Unterschiede bei der Bewertung und Regulierung zu berücksichtigen.

Die vollständige Studie - UBA: „Carcinogenicity and Mutagenicity of Nanoparticles – Assessment oft Current Knowledge as Basis for Regulation“. Texte 50/2014. Juli 2014 (Englisch) - finden Sie hier.

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