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​​Nanosicherheitsforschung – Gute Studien brauchen Regeln

(06.11.2014) Für einen verantwortungsvollen Umgang mit Nanomaterialien braucht es zuallererst: Wissen. Nicht das Gefühl, sondern wissenschaftliche Erkenntnisse sollten die Basis für Forschung und Entwicklung sowie unternehmerische und politische Entscheidungen sein. Eine Untersuchung der Empa zeigt deutlich, dass nicht alle Studien gleich gut sind. Standardisierte Testmethoden sollen künftig brauchbare und belastbare Ergebnisse ermöglichen.
 

Wie gefährlich sind Nanomaterialien? Welches Risiko für den Menschen könnte von ihnen ausgehen? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich tausende von Studien aus den unterschiedlichsten Bereichen der Wissenschaft. Wie seriös aber die Ergebnisse sind, wie aussagestark und belastbar, hängt wesentlich davon ab, wie die Studie konkret vonstatten ging. Seit dem Jahr 2000 sind etwa 10.000 Publikationen zum Thema „Nanosicherheit“ erschienen. Der Toxikologe Harald Krug von der renommierten Schweizer Forschungsanstalt Empa wollte wissen, was sich aus ihren Ergebnissen für die Wirkung von synthetisch erzeugten Nanomaterialien auf die menschliche Gesundheit ableiten lässt. Eine der wichtigsten Erkenntnisse dieser Sisyphus-Arbeit: Die Studien sind untereinander kaum vergleichbar und die Aussagekraft vieler Experimente allein aufgrund methodischer Fehler fragwürdig.
 

Viele sind Schrott: Die Nanosicherheitsforschung braucht vergleichbare Studien auf höchstem wissenschaftlichen Niveau. Foto: Gordon Gross / pixelio.de

Methodische Mängel
Je nachdem, welches Nanomaterial und welche Themenstellung untersucht wurde, genügen bis zu 90% der dazu veröffentlichten Publikationen nicht einmal Minimalanforderungen für eine wissenschaftliche Studie. Hauptproblem ist dabei häufig, dass die untersuchten Materialien nicht eindeutig charakterisiert werden. Wer diese Untersuchung liest, weiß also nicht, welche Eigenschaften konkret das untersuchte Nanomaterial hatte – belastbare Bewertungen lassen sich so nicht vornehmen. Auch Angaben zum verwendeten Lösungs- oder Dispergiermittel, die verwendeten Konzentrationen bzw. Dosierungen oder Kontrolluntersuchungen fehlen allzuoft völlig. Unsinnig hohe Dosierungen führen ebenfalls immer wieder zu Effekten, die zwar die Versuchstiere schädigen, aber letztlich nichts über die Eigenschaften der Nanomaterialien aussagen.
 

Ausweg: Standardisierung
Unternehmen und Gesellschaft wollen zu Recht Klarheit über die möglichen Wirkungen von Nanomaterialien. Die aber kann es nur geben, wenn sich Wissenschaftler aller Disziplinen an die Regeln guter toxikologischer Studien halten. Harald Krug und seine Kollegen der Empa und anderer Forschungseinrichtungen erarbeiten zudem im Rahmen des Programms NanoScreen eine Reihe von Standard-Labormethoden mit definierten und gut beschriebenen Testmaterialien. Ein mögliches Ergebnis guter wissenschaftlicher Studien ist auch „Kein Effekt“. Der Toxikologe fordert daher, auch solchen Untersuchungen die verdiente Anerkennung zu geben und ihre Ergebnisse genauso ernst zu nehmen, wie die leichter publizierbaren „Effekte“ anderer Studien.

Den vollständigen Artikel „Nanosicherheitsforschung – sind wir auf dem richtigen Weg?“ (Harald Krug in Angewandte Chemie 2014, 126, 12502 – 12518) finden Sie hier.

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