Arbeitswelt

Diese Schlagzeile sorgte im Jahr 2009 für Aufregung: Chinesische Arbeiterinnen einer Fabrik erkrankten an Lungenfibrose und verstarben zum Teil daran. Sie hatten zuvor monatelang Farbe, die Nanosubstanzen enthielt, auf Kunststoffplatten gesprüht. Der Vorfall nährte den Verdacht, dass Nanopartikel vor allem bei der industriellen Verarbeitung gesundheitsschädlich sein können.

Die kanadische Nichtregierungsorganisation ETC Group kommentierte die Erkrankungen chinesischer Arbeiterinnen so: Arbeiter könnten sich schwerlich den Luxus leisten, auf einen Expertenkonsens zu Gesundheitseffekten beim Nanoeinsatz zu warten.
In der Tat hinkt die Nano-Folgenforschung der immer vielfältiger werdenden Verwendung der Partikel in der Industrie deutlich hinterher. Was sind Orientierungspunkte?

Nanopartikel in der Luft vorhanden

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass der Mensch zeitlebens von Nanopartikeln umgeben ist. In Wohnräumen liegt ihre Konzentration bei 10.000 bis 20.000 Partikeln je Kubikmeter Luft, im Wald bei 50.000 und auf stark befahrenen Straßen in Berlin, München oder Hamburg bei 100.000 Partikeln je Kubikmeter Luft. Den geringsten Anteil daran haben industriell erzeugte Nanomaterialien, die meisten stammen aus Verbrennungsprozessen oder sind natürlichen Ursprungs.

Industriearbeiter besonders gefährdet

Schweißen; © JUREC / PIXELIO

Je häufiger und intensiver eine Person erhöhten Nanopartikel-Konzentrationen ausgesetzt ist, desto wahrscheinlicher nimmt ihr Körper diese auf. Das betrifft nach Analyse der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) alle Arten von Arbeitsplätzen, die mit Nanotechnologien oder Nanoprodukten zu tun haben:

  • die Herstellung und Weiterverarbeitung von Nanopartikeln in der Industrie
  • Arbeitsplätze, an denen ultrafeine Partikel ungewollt entstehen, zum Beispiel durch Schweißen.
  • die Entsorgung und Verwertung von Nanoprodukten

Spezielle arbeitsschutzrechtliche Regelungen für den Umgang mit Nanopartikeln gibt es bisher nicht. Allerdings muss in jedem Betrieb bewertet werden, welchen Gefahren die Arbeitnehmer möglicherweise ausgesetzt sind. Dabei sind gegebenenfalls auch die "Nanoeigenschaften" der eingesetzten Chemikalien zu berücksichtigen. Wo diese nicht vollständig bekannt sind, greift das Vorsorgeprinzip. Mehr dazu in der Rubrik Fehlendes Regelwerk.

Materialien der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) zum Thema:

Nanomaterialien: Arbeitsschutzaspekte
Nanomaterialien: Toxikologie/Ökotoxikologie

Umfangreiche Informationen und Leitfäden hat darüber hinaus auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zusammengestellt. 

(Stand: 2015)



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