Gesundheit

Reagenzgläser; Foto: schoelzy / Quelle: PHOTOCASE

In Deutschland und Europa, in den Industriestaaten Asiens und Amerikas sind zahlreiche Forschungseinrichtungen damit befasst, mögliche Schadwirkungen von Nanomaterialien auf den menschlichen Organismus zu untersuchen. Wegen der Fülle der verschiedenen eingesetzten Materialien, der unterschiedlichen Berührungspunkte zwischen Mensch und Nanomaterial sowie der Schwierigkeiten im Studiendesign und in den Nachweismethoden, liegen bisher zwar eine Fülle gut begründeter Hinweise, aber nur wenige abschließend belegte Gewissheiten vor. 

Welche Materialien werden untersucht?

Die Nanoteilchen gibt es nicht. Ob und wie Nanopartikel im Organismus wirken, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Material
  • Form
  • Größe und Struktur der Oberfläche
  • Neigung, mit anderen Teilchen in Wechselwirkung zu treten
  • Art des Kontakts/Aufnahme in den Körper: dermal (Haut), inhalativ (Atemwege),oral (Magen-Darm-Trakt).

Die folgenden Nanomaterialien sind derzeit besonders weit verbreitet und/oder wirtschaftlich besonders relevant und werden daher genauer auf ihre Folgen für den menschlichen Organismus untersucht:

  • Industrieruß (Carbon Black), der unter anderem in Autoreifen, Tätowierfarben und dekorativer Augenkosmetik eingesetzt wird.
  • Titandioxid (TiO2), und
  • Zinkoxid (ZnO), die in Sonnenschutzmitteln und Tagescremes mit UV-Schutz zum Einsatz kommen.
  • Silber, das unter anderem Textilien und Farben beigemischt wird.
  • Siliziumdioxid (SiO2), das zum Beispiel für Halbleiter verwendet wird.
  • Neu geschaffene Substanzen wie Kohlenstoff-Röhrchen (Carbon Nanotubes, CNTs) und
  • Fullerene C60, die in der Kommunikationstechnik, der Medizin und bei der Produktion von Brennstoff- und Solarzellen genutzt werden könnten.

Hinweise geben die Richtung vor

In einer Stellungnahme von 2011 folgert das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR, dass Daten aus Tierversuchen Hinweise auf krebsauslösende Wirkung einiger Nanomaterialien (CNTs, TiO2) nach Aufnahme über die Atemwege liefern. Die Daten sind aber nicht ausreichend, um diese Materialien als krebserzeugend für den Menschen einzustufen. Aus den Studien ist oft nicht ableitbar, ob es sich um Effekte handelt, die auf die Eigenschaft der Nanogröße der Materialien zurückzuführen sind, oder auf stoffliche Eigenschaften.

Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Chancen und Risiken von Nanomaterialien" (NFP 64) der Schweiz wurden im Juli 2017 zwei Artikel veröffentlicht, die zur Vorsicht beim Einsatz von Siliciumdioxid als Lebensmittelzusatzstoff (E 551) mahnen. Die Wissenschaftler fanden im Tierversuch heraus, dass die Partikel in der Lage sind, bestimmte Immunzellen zu aktivieren.

Hat ein Stoff gesundheitsschädliche Eigenschaften, so kann davon ausgegangen werden, dass dieser Stoff diese Eigenschaft auch in Nanoform aufweist. Umgekehrt muss das nicht der Fall sein. Es wäre denkbar, dass ein in Makrogröße ungefährlicher Stoff in Nanoform wegen seiner stark vergrößerten Oberfläche und/oder seiner erhöhten Eindringfähigkeit in den menschlichen Körper über eine veränderte Wirkung auf die Gesundheit verfügt.

Die Wirkungen von hauchfeinen Fasern oder Feinstaub aus Rauch oder Abgasen sind umfangreich erforscht. Über andere Aufnahmewege (dermal oder oral) ist noch nicht sehr viel bekannt. Es fehlen Informationen, in welchen Produkten und Zubereitungen Nanomaterialien quantitativ eingesetzt werden. Darüber hinaus fehlen Daten zur Exposition, das bedeutet, wie der Mensch mit Nanomaterialien in Kontakt kommt und diese in den Körper aufnimmt. Ebenso weist die Freisetzung von Nanomaterialien aus Produkten Datenlücken auf.

Nur Nanomaterialien, die sich aus einem Aggregat/Agglomerat/Produkt herauslösen und als "freie" Partikel vorliegen, können ggf. in den menschlichen Körper gelangen. Aus diesem Grund muss es zur Freisetzung von Nanomaterialien noch weitere Untersuchungen geben, bevor ein gesundheitliches Risiko dieser Materialien für den Menschen mit ausreichender Sicherheit abgeleitet werden können. Nichtsdestotrotz sind die Ergebnisse der Studien ernst zu nehmen. Das BfR ist auch weiterhin an bundeweiten und europäischen Projekten rund um die Eigenschaften und Auswirkungen Nanomaterialien auf Mensch und Umwelt beteiligt, um die Sicherheitsforschung von Nanomaterialien voranzutreiben und Wissenslücken zu schließen.

Mehr Informationen finden Sie in der Rubrik Forschung.

(Stand: Juli 2017)



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